08.01.26

Das SS-Grab Teil 2

 Ich suchte also Herrn Frauenknecht (damals schon 85 !) auf und ließ mir einiges erzählen:

Er war im Jungvolk dabei und wurde zum Schluss des Krieges als 15jähriger noch eingezogen. Im April 45 entfernte er sich auf Anraten eines Vorgesetzten von der Truppe (in Altdorf ) in Zivilkleidung und machte sich mit zwei gleichaltrigen auf den Weg in den Heimatort Engelthal. Dort sollte er sich beim Ortsgruppenleiter NS melden und wurde in der Nacht zum 17. April 45 noch eingeteilt mit einer Flinte "Russen" zu bewachen. Nach diesem Dienst legte er sich schlafen und war um ca. 11 Uhr wieder wach. Durch Engelthal zogen einige versprengte Wehrmachtsangehörige zu Fuß Richtung Offenhausen und es kamen auch 3 junge SS-Angehörige (unbewaffnet) vorbei. Der eine hatte sich eine schlimme Blase gelaufen und er verarztete ihn. Sie erkundigten sich nach dem Weg nach Lauterhofen, ließen es sich beschreiben und zogen weiter. Ziemlich bald darauf kamen die Panzer der Amerikaner.

Von der Erschießung der drei am 21.April erfuhr er erst später. Die Stelle der Exekution konnte er genau beschreiben: Der erste Feldweg vor Offenhausen gegenüber von Schrotsdorf oben am Waldrand.

Wann und wie die 3 auf dem Friedhof begraben wurden, wusste er nicht. Neben der jetzigen Grabstelle war ein kanadischer Pilot beerdigt, der bei Breitenbrunn abgestürzt war. Wahrscheinlich in den 60er Jahren, vielleicht auch früher, kam eine alliierte Kommission vorbei, um dessen Umbettung zu veranlassen. Dabei wurde verlangt, dass das nebenliegende SS-Grab aufgelöst wird. Die Gemeinde Offenhausen stellte sich dagegen.

Es sind eine Zeit lang jedes Jahr zum Todestag der 3 auch immer kleine Kränze von der Hilfsgemeinschaft ehemaliger SS-Angehöriger (HIAG) abgelegt worden. Herr Frauenknecht kam einmal vorbei, legte sich mit ihnen an und erzählte, dass er seine Truppe glücklicherweise verlassen hatte. Darauf wurde er als Deserteur beschimpft.

Später erfuhr ich durch den Artikel einer Redakteurin der Hersbrucker Zeitung, dass die Grabstelle im aufgefundenen Zustand erst 1950 von eben dieser Organisation eingerichtet wurde ....

Eine Recherche von Herrn Fritz von der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten ergab nur Daten eines der Getöteten: Ernst Kunstmann (13.08.1925 in Erlangen) trat nach seiner HJ-Dienstzeit (01.04.1935-15.03.1943) am 15.03.1943 in die Waffen-SS ein und diente dort zunächst im SS-Nachrichten-Ersatz-Regiment in Nürnberg. Am 13.06.1943 wurde er zur 1.SS-Infanterie-Brigade versetzt; Dienstgrad: SS-Funker. Spätere Eintragungen, insbesondere auch über einen Dienst in Lager-Wachmannschaften, liegen hier nicht vor. Quellen: SS-Unterführer und Mannschaften(ehem. BDC); SS-Listen (ehem. BDC).

Mich hat dann auch interessiert, ob es in amerikanischen Unterlagen Hinweise auf die beteiligte Truppe im April in Franken gab. Es gibt in Archiven freigegebene Dokumente über den Kriegsverlauf und sogenannte  "After Action Reports". Eine Zusammenfassung meinerseits kann man hier einsehen !

Nur zwei Einträge, welche direkt auf den Erschießungsort hinweisen, konnte ich finden. Seltsam ist der Eintrag mit dem Kreuz (nicht von mir ...)




Auch aus folgender Unterlage ist über die Erschießung nichts zu erfahren. Man erfährt aber, dass die Verbrennungsplätze , das KZ Lager und das Doggerwerk am 21.April entdeckt wurden:



Sehr gut dargestellt wird die Situation am Ende des Krieges rund um Hersbruck in diesem Vortrag. Das Vorgehen der SS, die Auflösung des Lagers und die Evakuierung der Häftlinge ab Anfang April 45 werden erwähnt.

Ich habe auch noch eine Veranstaltung in Lauterhofen im Pfarrheim besucht. Dort haben einige letzte Augenzeugen über die "Todesmärsche" von Hersbruck Richtung Dachau berichtet. Die 3 jungen Männer haben sich in Engelthal ja nach dem Weg nach Lauterhofen erkundigt. Sie wussten wahrscheinlich, dass dort Kameraden unterwegs waren. Über die Berichte von Zeitzeugen gibt es noch 2 Zeitungsartikel.

Ich habe mir auch die Stelle oben im Wald bei Schrotsdorf angesehen. In einigen Buchenstämmen kann man - wenn mich nicht alles täuscht- eingewachsene Kugelspuren von Munition sehen. So weit ich gelesen habe, sind die 3 per Jeep nach dort oben gefahren  und mit dem Maschinengewehr nieder gemetzelt worden. Eindeutig ein Kriegsverbrechen .... 

Dass man dann aber diese armen Kerle nachträglich als Heroen und soldatische Helden in diesem Monument dargestellt hat, fand ich auch den Dreien gegenüber nicht angemessen. Darüber hätte man noch trefflich streiten können. 
Aber in der Entwicklung der Sache hat sich einiges an Ungereimtheiten, Unmut und auch Hass ergeben. Davon dann im nächsten Teil ....