2008
hab ich also die Grabstelle entdeckt. In jenem Jahr feierte
Offenhausen das 950 jährige Jubiläum. Dazu hat der damalige Heimatpfleger
Robert Giersch eine umfassende Chronik erstellt , die ich mir kaufte. Auf
S. 150 ist nur kurz die Inhaftierung und die Erschießung der 3
SS-Angehörigen erwähnt. In einem Briefwechsel erwähnte er dann,
dass im Gemeindearchiv Unterlagen zu der völkischen Organisation
Dichterstein aus dem österreichischen Offenhausen waren. Ein Ergebnis einer Partnerschaft ?
Ich
habe dann nachgesehen was es denn mit diesem Dichterstein auf sich
hat. Von
einer Antifa-Seite:
Seit
1963 gibt sich alljährlich, Ende April / Anfang Mai, in der kleinen
Marktgemeinde Offenhausen bei Wels die "kulturelle Elite"
der deutschen und österreichischen Alt- und Neonazis ein
"Stelldichein". Ziel ihrer Wallfahrt ist eine auf einem
Hügel über Offenhausen gelegene "Gedenkstätte", der
"Dichterstein Offenhausen". In die Ziegelsteine des von
1963 bis 1968 errichteten Monuments sind die Namen von über 400
garantiert reinrassigen Dichterfürsten eingemauert. An den Stufen
zum Tor sind Schlagworte wie "Deutsches Volkstum",
"Tapferkeit", "Einsatzfreude", "Ahnenehrung",
"Muttertum", "Heimat", "Gefolgschaftstreue"
zu lesen, und über dem Tor: "Wer den Geist verrät, verrät
sein Volk".
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| 2023 |
Dazu auch Wiki und Gutachten
Hier
hätte ich versuchen müssen, bei der Gemeinde zu recherchieren wie
es denn mit den Unterlagen aussieht, die laut Giersch von einer ABM
Kraft geordnet worden sind.
Der
weitere Briefverkehr 2009 (hier einsehbar)
Fehler
war wahrscheinlich schon, dass ich geäußert habe, meine Recherchen
zu veröffentlichen und die Angabe meiner damaligen Blogadresse
Von
der Ortsvorsitzenden der SPD bekam ich dann einen netten Anruf. Sie
kenne das Grab nicht und werde es sich ansehen. Im Gespräch bat
sie auch darum, von einer Veröffentlichung abzusehen. Was ich
dann auch im Verlauf meiner Recherchen längere Zeit tat. Außerdem
war ich damals nicht so oft unterwegs gewesen, da ich die Mutter im Pflegeheim öfter besuchen musste.
Als
ich dann 2014 sah, dass das Grab von Grund auf erneuert war, bin ich
erneut tätig geworden.
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| 2014 |
Über Herrn Giersch konnte ich den Zeitzeugen
Herrn Frauenknecht ausfindig machen und interviewen .
Über
die neue Pfarrerin in Offenhausen, Frau Meister-Hechtel , wollte ich erfahren: Wer hat
veranlasst, dass das Grab so erneuert wurde ? Wer hat die Erneuerung
bezahlt ? Gibt es in den Kirchenbüchern Hinweise auf die Bestattung
der 3 SS Männer ?
Das
Landbauamt Erlangen hat renoviert. Es gab eine Rechnung (die Kirchen
müssen einen geringen Anteil der Baulast übernehmen). Die ist aber
verschwunden. Für das Grab soll es Unterlagen geben, die aber nicht
mehr auffindbar sind.
Die
Pfarrerin hatte aber jetzt schon in der Gemeinde einige
Schwierigkeiten. Deshalb wandte ich mich nun direkt an den Dekan
Dr.Thiesen. Ich forderte dazu auf , das Birkenkreuz mit den Helmen zu
beseitigen, die SS-Runen zu tilgen und vielleicht eine Tafel
aufzustellen auf der die Ereignisse 1945 erklärt werden. Die
Landeskirche schien sich bald auch mit der Sache zu beschäftigen.
Ein Teil des Briefverkehrs ist hier zu sehen, mails und Telefonate sind
nicht dokumentiert worden
Das
Ganze zog sich aber hin und ich informierte die Presse. (Vielleicht zu
voreilig !)
In
Offenhausen hinterließ ich am 15.4. 2015 an der Kirche und am
Schwarzen Brett der Gemeinde folgendes Statement:
Aufklärung
tut Not !
Stellungnahme
zum SS-Grab auf dem kirchlichen Friedhof Offenhausen
Auf
dem kirchlichen Friedhof der Gemeinde Offenhausen liegen drei junge,
verblendete SS-Angehörige. Sie wurden zuerst mit anderen
Kriegsgefangenen von amerikanischen Truppen im Schulhaus Offenhausen
festgehalten. Am 21. April 1945 wurden sie von den übrigen
Gefangenen getrennt und gegenüber Schrotsdorf oben am Wald
erschossen. Nach Kriegsrecht ein Verbrechen. Nach Angaben
eines Mitgefangenen sollen sie in ihrem Gefängnis herausfordernde
Reden geführt haben, die ein Deutsch sprechender Amerikaner
mitgehört hat (Hersbrucker Land in schlimmer Zeit S.51).
Alle
drei sind im gleichgeschalteten Nationalsozialismus aufgewachsen.
Zum Beispiel: Ernst Kunstmann (13.08.1925 in Erlangen) trat nach
seiner HJ-Dienstzeit (01.04.1935-15.03.1943) am 15.03.1943 in die
Waffen-SS ein und diente dort zunächst im
SS-Nachrichten-Ersatz-Regiment in Nürnberg. Am 13.06.1943 wurde er
zur 1./SS-Infanterie-Brigade versetzt; Dienstgrad: SS-Funker.
Die Waffen-SS war die "Weltanschauungsarmee" des
Nationalsozialismus. Sie unterstand direkt dem "Reichsführer
SS" (RFSS) Heinrich Himmler und bestand aus Kampfverbänden und
den Wachmannschaften der KZs. Bei der Ausbildung wurde auf
Fanatismus im NS-Sinn großer Wert gelegt.
Völkisch-nationale
Kreise in Offenhausen haben diesen jungen Menschen hier ein Ehrengrab
errichtet, das sie zu Helden stilisiert. Dieses : "es ist
süß und ehrenvoll fürs Vaterland zu sterben" geht vollkommen
an der Realität der letzten Kriegstage im April 1945 vorbei ! Als
hätten die Verantwortlichen noch nie diesen phantastischen Film "Die
Brücke" gesehen... Nach nun 70 Jahren sollte man bereit sein,
sich dieser Geschichte zu stellen.
1945
waren die Alliierten auf dem Vormarsch und die Zivilbevölkerung "bar
aller Waffen" musste noch viel durchmachen und für die
Erklärung des totalen Kriegs im Februar 1943 büßen. Die ersten
Konzentrationslager waren zwar schon befreit, aber gerade im "braunen
Franken" wurde unsinniger Widerstand geleistet. Hier waren
besonders SS-Einheiten beteiligt, die durch sinnlose Scharmützel
immer wieder massive Angriffe amerikanischer Panzer und Flieger auf
Ortschaften der Umgebung provozierten. Auch bei der Auflösung des KZ
Hersbruck-Happurg waren sie als Bewacher bei den Todesmärschen und
der Absicherung des Weges führend beteiligt. Gegen die kriegsmüde
eigene Bevölkerung konnte man den "Flaggenbefehl"
einsetzen: Jeder, der die weiße Fahne der Aufgabe hisste, konnte
ohne Gerichtsurteil erschossen werden.
Nicht
alle Mitglieder dieser verbrecherischen Organisation SS waren direkt
an Gräueltaten beteiligt. Aber sie wussten was geschah ! Unsere
drei jungen, verblendeten Männer waren auf dem Weg nach Lauterhofen.
Wahrscheinlich um Anschluss an ihre Kameraden zu finden, die mit KZ
Insassen zu Fuß unterwegs nach Dachau waren.Ob sie an die glorreiche
Errichtung einer Alpenfestung glaubten, wissen wir nicht.
Man
sollte aber wissen, dass gerade am 20./21. April 1945 das geleerte KZ
Hersbruck und die Verbrennungsplätze in Förrenbach und Schupf von
den Amerikanern entdeckt wurden.
Man
sollte auch wissen, dass man in Hersbruck und Umgebung lange sich
nicht dieser schrecklichen Vergangenheit stellte.
Nicht
zu akzeptieren ist, dass man das Schicksal dieser armen jungen Männer
dazu benutzt hat, ihren Tod als Heldentat zu stilisieren. Man muss
sich nun schon fragen, welche Geisteshaltung hinter dieser
Geschichtsklitterung steckt.
Ein
Skandal ist es, dass man dieses Grab mit erheblichen staatlichen
Baulastmitteln renoviert hat und es Kritikern als
zeitgeschichtliches Denkmal darstellen will.
gez.
Schermann // Fürth (Geburtsort Hersbruck)
Notiz
vom 18.4.15:Parallel
zu meiner Aktion in Offenhausen fand eine bemerkenswerte Sitzung
Dekanat / Kirche / Soldatenverein / Bürgermeister statt!(Kein Runder
Tisch, denn dann hätt ich schon dabei sein müssen...) Ergebnis: Die
Helme kommen weg / die SS-Runen werden beseitigt (Alles schon
geschehen). Eine Infotafel zur Erläuterung der Zusammenhänge soll
in nächster Zeit aufgestellt werden ...
Hersbrucker
Zeitung, evangelischer Pressedienst und Süddeutsche Zeitung
berichteten groß (hier einzusehen). Von Quer wurde ich angerufen.
Mir war das plötzlich zu viel und ich beteiligte mich nicht an dem
Beitrag .Mein Name war nun bekannt.
Und
das war der größte Fehler ?
Die
Leserbriefe in der HZ zeigen das Spektrum der Meinungen und den
Aufruhr.
Von
den Rechtsextremisten des 3.Weges gab es auch ein Statement. Hier nur
ein kurzer Auszug:
Im
heutigen linksversifften Zeitgeist bleibt so das SS-Grab uns
Deutschen des Herzens vorerst als ein lebendiges Denkmal völkischer
Treue erhalten. Der vom Zaun gebrochene Streit darum zeigt hingegen
nur ein Abbild der ganzen Verderbtheit unserer Feinde, in einem vom
linken Zeitgeist vergifteten Dasein. Wenn auch das Leben in der Welt
vergänglich ist, der Glaube an das wiedererwachende Deutschland ist
es nicht. Und wenn die Knochen der Grabschänder von Wunsiedel und
Offenhausen schon längst zu Staub zerfallen sind und ihre Namen
aufgrund ihres nichtigen Wirkens keiner mehr kennen wird, preisen
hingegen noch immer die völkischen Generationen bei unseren
jährlichen Heldengedenken die jungen SS-Angehörigen Ernst Kaufmann,
Günter Sperling und Rudi Gossanner. Sie heben die Buben der
Waffen-SS so immer wieder aufs Neue zu Unsterblichen unseres
deutschen Volkes empor.
Am
2.5.15 notierte ich: Seltsam,
seit jene Zeitungsartikel über Offenhausen erschienen sind, wird
mein Computersystem attackiert. Trojaner / falsche Website-Aufrufe /
Wandernavi Software zerstört ... Es
könnte ein Zusammenhang bestehen - muss nicht. Verdächtig ist nur,
dass von einigen Kreisen sehr scharf (momentan verbal) in diesem Dorf
und Umgebung geschossen wird: Dem wackeren Mann, der die Helme
entfernt hat, würde jemand sehr gerne die Hände abschlagen - da
läuft es einem eiskalt den Buckel runter ... Man stochert in diesem
Sumpf herum und es gibt braune Blasen (die hoffentlich wirkungslos
zerplatzen ) …
Ich
habe dann meinen BLOG aufgelöst.
Die
Pfarrerin hat sich versetzen lassen . Es hat sich leider
herausgestellt, dass sie bis jetzt schon mehrere Stellen an verschiedenen Orten besetzt hat und
offensichtlich mit keiner glücklich wurde.
Ich
war weiter in der Vacher Wandergruppe und kam noch viel herum.
Die
Grabsache war für mich erledigt, da die weiteren Entscheidungen die
Gemeinde und die Landeskirche zu treffen hatten.
Im
Juni 2015 hatte ich noch einen Briefwechsel mit einem Herrn Kugler,
der mich sehr sachlich und vernünftig anschrieb.
Soweit
– sogut
Und
dann kam dieser Septembertag, der die Familie ziemlich durcheinander
brachte.
Nicht
nur, dass auf dem Haus große Schriftzüge angebracht waren. Im
Briefkasten war eine zerquetschte Ratte zu finden und die Reste mit
dem Blut am ganzen Hauseingang verschmiert ….
Die
Polizei schaltete den Staatsschutz ein. Ob dieses Ereignis dann meine
chronische Darmentzündung getriggert hat, kann man vielleicht
vermuten. Seit 10 Jahren bin ich nun in Behandlung...
So
oder so: Das traumatische Erlebnis ist hiermit nicht ganz bewältigt.
Nachtrag: Auf dieser Internetseite kann man sehen, dass der Spruch noch weiter verbreitet wird obwohl das Grab (2016?) aufgelöst wurde.
Ironie der Geschichte : Am 20.April 45 gab es einen Erschießungsbefehl auch gegen die Zivilbevölkerung,