17.09.26

Gary Snyder (96 Jahre ?)

 Ja, er scheint noch zu leben: Gary Snyder . Auf ihn bin ich gekommen, durch meine wiederholte Beschäftigung mit dem Buch "Gammler, Zen und hohe Berge" von Kerouac. Momentan lese ich  Essays von ihm unter dem Titel "Lektionen der Wildnis" . Interessant. 

Bei Deutschlandradio gab es eine Porträtsendung unter dem Titel : Kann Lyrik die Welt retten? Die Sendung kann man nicht mehr abhören, aber das Manuskript kann man sich herunterladen.   Hier einige Passagen ...

2014
Im ersten Kapitel des Buchs " Lektionen der Wildnis" wird  der Versuch unternommen die Bedeutung des Wortes WILD im Englischen zu beschreiben: 

Wenn wir uns zum Beispiel die typische amerikanische Redewendung „wild and free“ ansehen, verbinden das die meisten Menschen mit spontan, undiszipliniert, frei, vielleicht sogar undiszipliniert gefährlich. Und es impliziert sexuelle Promiskuität, Drogen- und Alkoholmissbrauch oder Abneigung und Rebellion gegen Elternhaus oder die Regierung. Das ist eine Bedeutung von WILD, die sehr verbreitet ist.
Untersucht man andererseits das Ganze in Bezug auf die Natur, beschreibt es einfach Organismen, Pflanzen zum Beispiel, oder Tiere, Schafe, Ziegen, Pferde oder Löwen, die sich selbst versorgen. Sie sind unabhängig, sie sind tatsächlich frei, obwohl sie natürlich auch den Gesetzen der Natur unterworfen sind.  
Was für mein Schreiben und Denken wichtig ist: deutlich zu machen, dass das Wort WILD im tieferen Sinne eine Art Ordnung, eine Gesetzmäßigkeit in der Natur meint und nicht eine Form von Verrücktheit oder Verantwortungslosigkeit, als die es oft gedeutet wird, sondern dass es eigentlich einen Prozess beschreibt.
Der WILDE Prozess in der Natur ist der sich entfaltende Prozess von ökologischer Dynamik, von möglicher biologischer Evolution ohne Fremdeinwirkung. Die unberührte Wildnis ist ein Ort, wo dieser Ablauf fast vollkommen ungestört vonstatten geht, und das dominiert die Bedeutung dieses Begriffes.  

Das zweitwichtigste Wort in meinem Buch-Titel hier ist Praxis, die Methode des Wilden. Wie können wir die Art und Weise verstehen, in der das Phänomen der Wildheit in der menschlichen Kulturgeschichte wirkt und gewirkt hat, in der hochzivilisierten und der vor-zivilisatorischen Welt, und wie können wir uns dieses Wissen zunutze machen? Also beschäftige ich mich im nächsten Schritt mit der Frage: Was ist das Wesen oder die Natur der Kunst?
Der französische Anthropologe Claude Levi-Strauss sagte einmal, dass nach seiner Vorstellung die Kunst in der modernen Welt eine Art kleiner Nationalpark der Wildheit sei, einer Wildheit des Geistes, aber in einem sehr positiven Sinne. Die Wildheit der Phantasie ist ein sehr interessantes Konzept, und meiner Ansicht nach ist auch die Sprache im Grunde genommen ein wildes Phänomen, ebenso wie das menschliche Bewusstsein ein wildes Phänomen ist, das sich jeder staatlichen Kontrolle entzieht. Den Geist kann man nicht kontrollieren. Unser Geist ist wild, er bestimmt über sich selbst und entscheidet, wohin er geht und wir müssen lernen, wie wir ihm folgen können.  

Dann erzählt er in dem Porträt recht ausführlich von seinem Werdegang: Die Zeit der wirtschaftlichen Depression in den 30er Jahren, das einfache Leben auf einer kleinen Farm in Kalifornien, die gute Highschool Ausbildung, das Bergsteigen seit dem 15.Lebensjahr,  die Kurse in Chinesisch und Japanisch in Berkeley, das Kennenlernen der Beatnicks, der Aufenthalt in Japan auch als Mönch . Von seinen Erfahrungen teilt er mit:

Meditation ist kein Mysterium, es ist etwas, das jeder kennt und jeder tut, in ihrer einfachsten Form bedeutet es, sich auf seinen eigenen Geist zu konzentrieren und - zumindest zeitweise - keine Musik zu hören, mit niemandem zu reden, nichts zu lesen, sondern nachzudenken, zu reflektieren, bei seinem eigenen Bewusstsein zu sein, in Gesellschaft seiner Gedanken, das wäre also Reflektion und Einkehr. Und wenn man dann einen Schritt weitergeht...... Ein Buddhist, für den Meditation ein wesentliches Element ist, würde sagen, Meditation heißt, sich nicht von seinem Verstand leiten zu lassen. Beobachte dein Bewusstsein, deine Ideen, Gefühle, Impulse, wie sie aufsteigen und verschwinden, erst erscheinen und sich dann verlieren.  
Halte sie nicht fest! Fühle etwas aufkommen und sage: Oh ja, das hat mich geärgert, aber lass dich nicht darauf ein, sondern lass los, sage, okay, das hätte ich nicht tun sollen, das habe ich vermasselt, aber vergebe dir und gehe weiter und im Idealfall erreichst du den Punkt, wo dein Geist sich dann frei bewegen kann, sich selbst überlassen ist. Aber schlafe nicht ein dabei oder verliere dich in Phantasien. All das wird passieren, wenn du meditierst, aber durch die Meditation lernst du all die Fluchtwege deines Geistes kennen und du verstehst und lernst zu schätzen, was Bewusstsein bedeutet.

Und das ist natürlich interessant: Was ist es, dass wir am meisten schätzen im Leben? Am Leben zu sein. Und was bedeutet es uns, am Leben zu sein? Es bedeutet zu spüren, dass du du selbst bist und dass du Entscheidungen triffst, dass du deine Welt kennst und all dieses Wissen in dir hast und das ist was ganz Besonderes und du bist du und das ist es, was das Leben ausmacht. Also meditiere darüber, wenn dich dein Leben interessiert, schenke deinem Leben ein wenig Aufmerksamkeit: Was fühlst du, was denkst du wirklich? Was treibt dich um und wovon bist du frei? 
Was Menschen durch Meditation gewinnen können, ist, den Fluss zu verstehen, die Wandlung von Gedanken, Gefühlen, ein wenig davon losgelöst sein zu können und auch nicht zu sehr zu werten. Seine eigene Geschichte nicht zu sehr zu beurteilen. Im Buddhismus heißt es: Wenn du erkannt hast, dass du einen schrecklichen Fehler gemacht hast, erkenne das eben einfach und mache weiter. Aber wiederhole den Fehler nicht! (lacht)... 
 
 Er hat sich auch sehr mit Sprache beschäftigt und gibt einige Beispiele ...Und wieder geht es auch um das WILDE:
Der wilde Bereich des Geistes ist eine andere Bezeichnung für die Weite und Tiefe des Territoriums, in dem sich das Bewusstsein bewegt, und der enge Bereich des Geistes entspricht dem Teil, den wir zu disziplinieren versuchen, zu kontrollieren und zu trainieren. So wie wir in der Landwirtschaft den Boden kultivieren, ihn dazu bringen, anstelle von verschiedenen wilden Pflanzen Erbsen und Mais und Kohl wachsen zu lassen, so trainieren wir unseren Geist, indem wir ihn disziplinieren oder kultivieren, die Sprache der Wissenschaft, der Buchhaltung, des Gesetzes oder der Medizin zu erlernen. Der wilde Bereich des Geistes geht in seiner Komplexität natürlich weit darüber hinaus.
Um wirklich frei sein zu können, braucht man gute Manieren. Damit meine ich nicht die Etiquette, sondern eine andere Form von Respekt und Erkenntlichkeit dem Universum gegenüber. Ein Gefühl von Dankbarkeit für all die Dinge, die möglich sind in dieser merkwürdigen Welt, in der wir leben, in der wir gedeihen, bis wir sterben, was wir auch genießen und respektieren sollten. Und es es wäre gut, wenn wir dieses Universum mit dem gebührenden Respekt gegenüber allen Wesen und Phänomenen, die ihm innewohnen, durchschreiten, mit Dankbarkeit und Humor und Anerkennung. Das ist angemessen.  

Das Porträt beim Deutschlandfunk dieses weisen Mannes ist noch viel umfangreicher und kann hier nur im Auszug widergegeben werden. Er hat auf seine Art überlebt weil er am Rand der Wälder seit längerer Zeit mit anderen in einer Gemeinschaft lebt. Das hat er z.B. in einem Gedicht aufgeschrieben (hier in der Übersetzung). Es wird auch auf den 3.Golfkrieg der Amerikaner 2003 verwiesen.

Wir begannen unser Haus zu bauen, inmitten der Kulturrevolution 

Den Vietnamkrieg, Kambodscha in den Ohren Tränengas

 in Berkeley

 Jungen in Overalls, mit Angst in den Augen, langem, verfilzten Haar, rannten vor der Polizei weg 

Wir schälten Bäume, bohrten Löcher in Steine hoben Gruben aus, badeten zusammen im Schweiß

 Als das Haus fertig war, machten wir weiter 

Bauten ein Schulhaus mit einhundert Schubkarren hielten beim Essen Seminare über kalifornische Paläo-Indianer 

Wir löteten die Gestalt der Figur „Wu“ aus der Chou-Dynastie auf die geschmiedeten Bögen unter der Decke 

Vergruben einen fünfspeichigen Vajra zwischen den Schulgebäuden und dabei beteten wir und opferten Tabak

 Diese Gebäude wurden durch ein Feuer zerstört, eine blasse Kopie von der Versicherung nachgebaut 

Zehn Jahre später versammelten wir uns am Rande einer Wiese 

Die Kulturrevolution ist vorbei, das Haar ist kurz 

Die Industrie hat das Sagen in den Wäldern des Volkes 

Alleinerziehende Mütter gehen zurück zur Universität um Anwälte zu werden

 Ins Muschelhorn stoßend, die Ringe des Priesterstabes schüttelnd 

Begannen wir mit dem Bau einer Halle 

Vierzig Leute, Schreinerinnen, Kinderarbeit, Nägel einschlagen 

Die Cortenstahl-Bedachung festschrauben, und die Balken mit dem Hobel bearbeiten 

Das Gebäude ist in 3 Wochen fertig

 Wir füllen es mit Blumen und Freunden und eröffnen es. 

Jetzt, im Jahr des Persischen Golfs, 

der Lügen und Verbrechen der Regierung, die als Tugenden verkauft werden geht dieser Tanz mit der Materie weiter: 

unsere Gebäude stehen fest, zum Leben, Lehren, Sitzen, den Klang der Glocke zu erkennen 

Das ist Geschichte. Das ist außerhalb von Geschichte. 

Gebäude werden im Moment gebaut, sie werden fortwährend getränkt von dem See, der alle Dinge, nackt und glänzend erneuert

 Der Mond bewegt sich durch seine achtundzwanzig Tage 

Nasse und trockene Jahre vergehen 

Scharfes Werkzeug, guter Entwurf.  

 

13.07.26

Heupferd

 Letzthin waren zwei in der Wohnung. Anlass für mich nun etwas mehr über dieses phantastische Insekt zu erfahren. Normalerweise sind sie ja nicht so leicht zu entdecken oder hüpfen schnell davon.


Eine schöne Seite vom Nabu gibt es hier. Ein Naturphotograph bietet hier schöne Bildfolgen. Das Heupferd ist bei uns die größte Schrecke. Ich fing sie damals ein und ließ sie davonfliegen.


Die Männchen "singen" um Weibchen anzulocken. Das funktioniert so:
Wie die meisten anderen Langfühlerschrecken auch, erzeugt es die Töne mit den Flügeln: Die Vorderflügel werden gegeneinander bewegt, wobei die erhabene Schrillleiste mit winzigen Zähnchen (A) auf der Unterseite des linken Flügels über die harte Schrillkante (B) des rechten Flügels gestrichen wird. Ungefähr so, als würde man mit einem Kamm über eine Tischkante fahren. Beide Vorderflügel besitzen noch einen Gesangsverstärker: Der sogenannte Spiegel (C) ist ein kleines Feld, das mit einer Membran bespannt ist. Beim Singen gerät die Membran in Schwingung und der Spiegel wirkt als Resonanzkörper, wie der Korpus einer Gitarre. Der Spiegel des rechten Flügels verstärkt den Ton dabei deutlich besser als der des linken Flügels, welcher mit Adern durchzogen ist (siehe Foto) und daher weniger gut schwingt. 


Das „Ohr“, um das Ständchen der Sänger hören zu können (das sogenannte Tympanalorgan), verbirgt sich bei den Heupferden, wie bei den meisten Langfühlerschrecken, unterhalb des Knies an beiden Vorderbeinen und ist in Form von jeweils zwei spaltförmigen Öffnungen (D) erkennbar – wenn man ganz genau hinschaut!  


Paarung

Eingeleitet wird die Paarung durch die Männchen-Gesänge, auf die die Weibchen unterschiedlich reagieren:

    Paarungsbereite Weibchen der Langfühlerschrecken (Ensifera)lassen sich von den Gesängen der Männchen anlocken und besteigen diese schließlich. Je nach Art bleiben die Männchen unter ihrer Partnerin, oder sie ändern ihre Position, indem sie sich z.B. nach hinten wegdrehen oder sich gar auf den Kopf stellen. Der Partner ergreift dann mit einem Paar feiner Dornen am Hinterleibsende (den sog. Cerci) das Hinterleibsende der Partnerin, sondert eine weißliche gallertartige Spermatophore ab und klebt diese an die weibliche Genitalöffnung. Daraufhin trennt sich das Paar wieder – die Paarung dauert hier nur wenige Minuten.
    Gleich nach der Trennung beginnt das Weibchen, die Gallerte aufzufressen, was mehrere Stunden dauern kann. Währenddessen wandern die Spermien die Spermien aus dem Inneren der Gallerte in die Genitalöffnung des Weibchens und befruchten dessen Eier.

weibliches Heupferd

Eiablage

Wenige Tage nach der Paarung beginnt die Eiablage.

Das Weibchen versenkt seine Eier im Erdreich oder in oberirdischen Medien wie etwa rissiger Baumrinde, Pflanzenstengeln oder Blättern
Die Weibchen der Langfühlerschrecken bohren ihre auffällig lange Legeröhre ins jeweilige Nestsubstrat und legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen .Die Eier der meisten Arten überwintern, so dass die nächste Generation erst im nächsten Frühjahr erscheint.



Larvalentwicklung

Die Larven schlüpfen erst nach der Winterruhe im Frühjahr – Das für Insekten so Erstaunliche ist, dass die Larven bereits im ersten Stadium den späteren erwachsenen Heuschrecken ähneln.

Die Flügelanlagen sind zunächst winzig klein und erst in den letzten beiden Stadien deutlich als lappenförmige Gebilde deutlich zu erkennen. Die hinteren Flügel sind hier zwar schon ausgebreitet, aber über die vorderen geklappt, und beide (Vorder- und Hinterflügel) liegen oft etwas versetzt nebeneinander.

Der lange Legebohrer der Laubschrecken entwickelt sich ähnlich den Flügeln und parallel zu den Larvalstadien.

Die einzelnen Stadien werden nicht annäherungsweise anhand ihrer Größen, sondern präzise durch regelmäßige Ereignisse unterschieden, nämlich die Häutungen zwischen ihnen. Während sich der Hinterleib im Zuge des Wachstums durch Dehnung der Häute zwischen seinen Segmenten ständig vergrößert, bleiben die vorderen beiden Abschnitte des Heuschreckenkörpers zwischen den Häutungen gleichgroß und vergrößern sich erst während einer Häutung. Die Haut wird nicht in Teilen abgestreift, vielmehr verlässt die Larve die vollständige alte Hülle.

Häutung

Die meisten Arten der Schrecken können in Eiform sogar den Winter überdauern, bevor sie sich im Frühjahr in das nächste Stadium weiterentwickeln. Grillen sind bereits im Mai oder Juni ausgewachsen, andere Heuschreckenarten erst im Sommer. Bei manchen Arten wie dem Grünen Heupferd kann die Entwicklung sogar mehrere Jahre dauern. 



Videos: Das grüne Heupferd in 60 sec (kurze Übersicht)






09.06.26

Käfigkampf

 


Ellbogen treffen auf Nasenbeine, Fäuste prasseln auf Gegner nieder, die schon am Boden liegen: US-Präsident Donald Trump feiert seinen 80. Geburtstag mit Käfigkämpfen vorm Weißen Haus.

Ein Kommentar bei NDR Kultur sagt für mich eigentlich alles . 

Die Frankfurter Allgemeine fasst zusammen: Ein Bild für den Niedergang des Westens: Donald Trump feiert Geburtstag wie die römischen Kaiser. Mit Gladiatorenkämpfen in einem überdimensionierten Käfig vor dem Regierungssitz.

Das Weiße Haus ist nicht wiederzuerkennen: Erste Pressebilder zeigen, wie dort gerade eine Arena entsteht, in der am 14. Juni, zum 80. Geburtstag von Donald Trump, eine große Kampfsportveranstaltung mit 5000 Zuschauern stattfinden soll. Trump ist großer Fan der brutalen Mixed-Martial-Arts-Kämpfe der Kampfsportliga Ultimate Fighting Championship. Zum Geburtstag des Präsidenten wird also programmatisch Blut spritzen vor dem Weißen Haus.

Dessen klassizistische Architektur mit der harmonischen Tempelfront stand traditionell für den Anspruch Amerikas, sich an den humanistischen Werten der Antike und Renaissance zu orientieren. Die für den Geburtstag des Princeps aufgestellte Käfigkampf-Arena ist ein sprechendes Bild für den Untergang der alten westlichen Welt und für ein neues Amerika, das sich an einer dunkleren und gewalttätigeren Antike orientiert: Trump feiert Geburtstag, wie es die römischen Kaiser taten – mit Gladiatorenkämpfen.

Im Podcast der "Trump Effekt"  wird auf die momentane Gemengelage mit ZDF-Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf, Brüssel-Korrespondent Ulf Röller und Washington-Studioleiter Elmar Theveßen etwas länger eingegangen (57 Min) ...

05.06.26

Fundamentalismus

 In dem Radiofeature  "Heilige Krieger – Christfluencerund die Neue Rechte " wird aufgezeigt wie christliche Erweckungsbewegungen Einfluss nehmen auf politische Prozesse. 

Der Kulturkampf ist in der Religion angekommen. Das ARD Radiofeature zeigt wie Religion auf Social Media funktioniert, wie neurechte Aktivisten das Christentum als Bollwerk gegen Liberalismus, Feminismus und Vielfalt beanspruchen und die Kirchen versuchen ihre Definition universaler christlicher Werte in einer Welt im Wandel zu verteidigen.

Fundamentalismus gibt es heute auf vielfältige Weise.


Religiöser Fundamentalismus

Religiöser Fundamentalismus basiert auf einer strikten Handlungsorientierung von göttlichen Überlieferungen wie sie beispielsweise im Koran und in der Bibel vorgegeben sind. Die Orientierung an religiösen Vorschriften dehnt sich auch auf politische Ziele aus und geht oftmals Hand in Hand. Ziel ist eine von Gott geleitete "Herrschaft". Diejenigen, die der auserwählten Religion nicht folgen, gelten als "Ungläubige" und sind in den Augen vieler Fundamentalisten "dem Tode geweiht". Religiöse Regeln haben hierbei immer den Vorrang zu weltlichen Gesetzen.(Quelle)

Nähe zum Fanatismus

Der Fundamentalismus will die Gesellschaft nicht reformieren, sondern sie auf das eigene religiöse oder völkische oder politische Fundament stellen. Der Kern fundamentalistischer Ideologien ist dabei die Tradition. Das bedeutet jedoch nicht, dass Fundamentalisten die Ideen der Moderne wie Partizipation, totalistisches und egalitäres, anti-elitäres Denken ablehnen würden. Im Gegenteil, sie deuten diese für die eigenen Ziele um. So werden die modernsten Mittel der Kommunikation genutzt, um möglichst die Masse der Menschen zu erreichen und zu beeinflussen. Die Videos des so genannten Islamischen Staates für die Rekrutierung von Gefolgschaft auch in Deutschland sind ebenso ein Beispiel wie die öffentlichkeitswirksam inszenierten Auftritte der Identitären Bewegung in den Sozialen Medien. (Quelle)

In der Zeitschrift BlickPunkt.e (Materialien zu Christentum, Judentum, Israel und Nahost) zeigt Micha Brumlik auf, dass es auch einen jüdischen Fundamentalismus gibt. (Quelle)

Letzten Endes strebt der Siedlerfundamentalismus auf seine Weise ebenso wie die islamistischen Palästinenser die Auflösung des modernen, zionistischen Staates Israel an. Wo dieser Nationalstaat auf die demokratische Verfasstheit des Volkes und auf die Begrenztheit seines Territoriums sowie die prinzipielle Gleichwertigkeit anderer Nationen setzte, kennt der Fundamentalismus nur noch das Gegenteil all dessen: An die Stelle des demokratischen Volkes tritt die jeweils beanspruchte, nicht mehr diskutierbare Souveränität Gottes, an die Stelle eines von den Nachbarn anerkannten Territoriums das heilige Land, das Siedlungsgebiet eines Stammes, an die Stelle eines Staatsvolkes tritt das Volk Gottes.   

So zeigt der Blick auf das Weltgeschehen immer wieder, dass die Lernfähigkeit großer Bevölkerungsteile , der Wille zur Toleranz und das Vermögen ohne Hass miteinander umzugehen doch sehr beschränkt ist. Politische Machtspielchen und diese verheerenden Kriege weltweit führen zu keiner progressive Entwicklung . Die neuen Medien befördern dieses Unvermögen noch zusätzlich durch Verkürzung, Anonymität und schneller Verbreitung ....

Interessant dazu in den Blättern neu: 


16.05.26

Gammler, Zen und hohe Berge

 Mein Freund Long hat mir das Buch Tortilla Flat von John Steinbeck zum Lesen überlassen. Es war zur Zeit des verzögerten Erwachsenenwerdens - nach seiner Aussage - ein Kultbuch unter ihm und seinen Spezis. Ein Schelmenroman sehr trickreich .... Mir hat der Roman nicht zugesagt. Hölzerner Schreibstil und seltsame Geschichten mit viel Alkohol ....

Ich hab dann nochmal mein damaliges Kultbuch hervorgeholt : Gammler, Zen und Hohe Berge. Den Autor Jack Kerouac hab ich 2022 schon mal erwähnt.


Ich hab das Buch nun nochmal gelesen. Auch hier viel Alkohol. So hat sich Kerouac ja auch ziemlich schnell  totgesoffen .... Das hat mich auch nicht fasziniert. Eher war es der Schreibstil: Kerouac beschrieb den Zustand spontaner Wahrnehmungskonzentration, den er mithilfe der Zen-Meditation förderte, so: "Wenn man alles zum Stillstand bringt und seinen Verstand ausschaltet, um mit geschlossenen Augen tatsächlich so etwas wie einen ewigen und unübersehbaren Strom elektrischer Kraft zu sehen, der schmerzlich aufstöhnend dahin braust." 
Und dann war noch inhaltlich interessant die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Lebensstil und fernöstlicher Schriften. 
Im Roman ist der Protagonist Ray Smith wie so oft bei Kerouac ein Alter Ego des Autors. Während seiner USA-Tour besucht er Japhy Ryder, der sich mit den Schriften des chinesischen Gelehrten Han-Shan auseinandersetzt. In dessen Versen findet die Gruppe, zu der weitere junge Männer gehören, das Versprechen eines anderen Lebens: Sein statt Haben, Wissen und Einkehr, das anti-kapitalistische Mantra halt, das auch heute gefragt ist. ( Damals hab ich auch Erich Fromm verschlungen ..)

Dieser Japhy Ryder ist der Dichter, Autor und Umweltaktivist Gary Snyder . Und der scheint heute noch zu leben !!! Müsste 96 sein !!

2014
Hier ein Text von Dieter Halbach aus dem Jahr 2010:

Er vereint die neuen Pfade der Beat-Generation in Dichtung, Forschung, Meditation, Wildniswissen, Selbstversorgung, politischem Aktivismus und Gemeinschaftssuche in sich. In seiner Dichtung bilden gelebte Existenz und Wort eine Einheit.
»Die ›Selbstversorger‹ sind jene Dichter, die selbst an einem Ort leben, wo sie bleiben wollen, und die erkennen, dass ihre Dichtung eine nützliche Rolle im täglichen Leben ihrer Gemeinde spielt«, schreibt Gary Snyder über Seinesgleichen.
Geboren 1930, wuchs er in den Wäldern von Washington als Sohn eines Farmers auf. Frühe Begegnungen mit der Kultur der Ureinwohner und das Alleinsein in der Wildnis der Wälder und Berge führten zu seinem Interesse an naturnahen Kulturen. Er studierte Anthropologie und Literaturwissenschaften und machte zwischendurch eine erste lange Seereise. Statt ein elitäres Akademikerdasein zu fristen, ging er mitten ins Leben hinein: »Keiner von der Besatzung hat je gemerkt, dass ich die Universität besucht hatte.« Nach dem Hochschulabschluss arbeitete er als Holzfäller, Forstaufseher und Steinmetz. »Erziehung ist nur sinnvoll, wenn man dazu bereit ist, für die Entziehung ebenso viel Zeit aufzuwenden […] wieder mit Leuten in Berührung zu kommen, mit einfachen Dingen.«
In dieser Phase entstanden seine ersten Gedichte in einer direkten, ungeschönten Sprache. Eine andere Quelle seiner Dichtung ergab sich durch sein Studium der japanischen und chinesischen Sprache und des Buddhismus. Zusammen mit Allen Ginsberg, Jack Kerouac und anderen ist er ab 1955 in San Francisco am Entstehen der sogenannten Beat-Bewegung als Lebensform und literarischer Protestform beteiligt. Snyder ist in dieser Bewegung der schrägen Vögel, der Drogen und Exzesse eine besondere Gestalt: Diszipliniert, ernsthaft meditierend und studierend, sich selbst gesund ernährend, die Sprache der einfachen Leute sprechend – so wird er bald von seinen eigenen Leuten und darüber hinaus hoch geachtet. Ein beredtes Dokument dafür ist der Roman von Jack Kerouac »Gammler, Zen und hohe Berge«, in dem ihm sein Freund als Japhy Ryder ein Denkmal setzt.

Und diese Person hat mich besonders beeindruckt ...Und im Roman ist er sehr eigen und sympathisch dargestellt.
 
Zen und Gemeinschaft
Es folgt Snyders erste Tramptour durch Japan und der Beginn seiner Lehrzeit im Zen-Kloster. Nach einer Weltumschiffung als Heizer und Maschinist setzt er von 1959 bis 1965 das Studium unter seinem Meister Oda Sesso Roshi fort. 1965 wurde er Dozent am Poetry Center in Berkley und vermittelte dort in einer schreibenden Werkstatt-Kommune seine Philosophie: »Man braucht nur eine Minute, um ein Gedicht zu schreiben. Aber mein ganzes Leben besteht darin, dem Lied zuzuhören.«
In Japan hatte er auf einer Vulkaninsel eine Gemeinschaft gegründet. Während jener Zeit notiert er: »Du gibst jemandem einen Pullover, und im nächsten Jahr siehst du denselben Pullover an zehn oder fünfzehn verschiedenen Leuten wieder«. Er kommt gerade rechtzeitig zurück in die USA, um »die Bäume und Gräser zur Rebellion gegen die Ausbeuterklasse aufzuwiegeln.« 1967 initiiert er das erste legendäre »Human Be-In« als »Gathering of the ­Tribes«, als Stammesversammlung der Gegenkultur in San Francisco.
»Ich habe erfahren, dass für meine Arbeit und mein geistiges Wachstum das Leben in einer Gemeinschaft wertvoller ist als das in einem Netzwerk Gleichgesinnter. Weil das Netzwerk einen darin bestärkt, sich wichtig zu nehmen, die Gemeinschaft aber nicht.« Ab 1970 lebt er mit seiner Familie und Freunden auf dem Land in Nordkalifornien und erwartet, »die nächsten zwei oder drei Jahrtausende dort zusammen zu sein.«
Dieses gedehnte evolutionäre Zeitverständnis wendet Snyder auch politisch in seiner Zeit als Berater in einer Regierungskommission an. Berühmt ist seine Antwort auf die Frage des Gouverneurs: »Kämpfst du nicht ständig gegen den Lauf der Dinge an?« – »Nein, das ist nur ein Wirbel im Fluss, gegen den ich angehe. Mit der großen Strömung bin ich im Einklang.«
Mittlerweile ist Snyder emeritierter Professor der Universität von Kalifornien, hat viele Ehrungen erhalten, unter anderen 1975 den angesehenen Pulitzer-Preis für sein Buch »Schildkröteninsel« und 1998 als erster Amerikaner den Buddhist Transmission Award. Nach einer längeren Pause veröffentlichte er 1996 das epische Gedicht »Mountains and Rivers Without End«, an dem er über 40 Jahre geschrieben hat.
Mit 80 Lebensjahren und der ganzen Evolution im Rücken blickt Gary Snyder gelassen in die Zukunft.     

Fazit: Letzten Endes ist Kerouac eine bedauernswerte Gestalt. Im Roman gibt ihm Japhy Ryder (Gary Synder) den eindringlichen Rat nicht so viel zu saufen. Ray Smith (Keroac) möchte ihm gern nacheifern (Zen usw.) -- schafft es aber nicht ....

Das Scheitern wird sehr gut beschrieben in einem Interview im Deutschlandfunk mit dem Autor John Wray zum 100.Geburtstag von Kerouac.

Das Buch gibt es in einer Neuauflage unter dem Titel: Die Dharmajäger



03.05.26

Massenmörder Haarmann

 Der Anfang eines Artikels in Zeit-Online hat bei mir eine Erinnerung wach gerufen (da ich keinen Zugang mehr habe, konnte ich den Artikel nicht lesen, aber ...)

Warte, warte nur ein Weilchen / bald kommt Haarmann auch zu dir / mit dem kleinen Hackebeilchen / macht er Hackefleisch aus dir .... Dieses Liedchen umgetextet nach einer Operettenmelodie wurde mir in meinem einen Grundschuljahr in Hannover - Linden nebst einigen Schauergeschichten von der Verwandtschaft präsentiert. (gesamter Text hier). Verstörend war, dass der Massenmörder Haarmann mal dort gewohnt haben soll wo nun mein Schulweg war .... Im Kalenderblatt "Das Monster von Hannover" wird in Kurzform auf die Geschichte eingegangen.

Haarmann wird 1924 zum Prozess geführt

In dem Artikel der Zeit wird verwiesen auf Theodor Lessing, der sich intensiv mit dem Prozess gegen Haarmann beschäftigte. 1925 hat er dazu ein Buch veröffentlicht : "Haarmann / Die Geschichte eines Werwolfs ". Dieses Buch kann man nun beim Projekt Gutenberg nachlesen. In diesem Buch wird sehr diffizil die Persönlichkeit des Mörders, der Umfang der Anklage, die Ermittlungsergebnisse und auch die Rolle der Öffentlichkeit und der Gutachter dargelegt. Besonders wird auf die Versäumnisse der Polizei eingegangen. In deren Auftrag funktionierte er ja als Spitzel....(Ich muss mir das Ganze nochmal in Ruhe durchlesen!). In jener Zeit gab es die große Inflation was den Schwarzhandel und den illegalen Handel mit Fleisch (Menschenfleisch ?) begünstigt hat ....

Tragisch für den Autor war dann, dass er 1933 im Exil in der Tschechoslowakei von Nazis ermordet wurde.


14.04.26

Transformation

Transformation ist zum Modewort geworden: grün, digital, gesellschaftlich, politisch. Es klingt nach Aufbruch, nach dem Schmetterling, der der Raupe entschlüpft. Doch Transformation bedeutet nicht zwangsläufig Fortschritt – sie kann auch Verlust, Machtverschiebung und Krisenerfahrung heißen.


 Als ich im Internet nach dem Begriff Transformation mit seinen gesellschaftlichen Auswirkungen suchte, ist mir ein interessanter Artikel aufgefallen: 

Die Große Transformation reloaded? Polanyis Erbe und die Krisen des 21. Jahrhunderts



von Sebastian Matthes Sozialwissenschaftler (nicht zu verwechseln mit dem Chefredakteur des Handelsblatts mit gleichem Namen)
 Veröffentlicht ist er bei der Stiftung Energie und Klimaschutz

Schon der Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi beschrieb Mitte des 20. Jahrhunderts die „Große Transformation“, die mit der Durchsetzung der kapitalistischen Marktordnung einherging. Heute erleben wir erneut einen umfassenden Wandel: die Umwälzungen durch Digitalisierung und Klimawandel, die Erosion der liberalen Demokratie und die Dysfunktionalität des Finanzsystems. 
Transformation meint soweit mehr als ein „positives“ Bild des Wandels, wie es die Metapher der Raupe und des Schmetterlings nahelegt. In Anlehnung an die Definition von Karl-Heinz Hillmann lässt sich Transformation verstehen, als die – oft mit Konflikten und Krisen verbundene – tiefgreifende Umwandlung einer Gesellschaft und Kultur in ein neues soziokulturelles Gesamtsystem. Insofern bedeutet Transformation eine soziokulturelle Zäsur, die oft eine neue Epoche einläutet.

Karl Polanyi war ein Pionier der interdisziplinären Wirtschaftswissenschaft. Mit seinem weiten Verständnis von Ökonomie als der Organisation der Lebensgrundlagen kritisierte er den illusionären Versuch der Wirtschaftsliberalen, alle Lebensbereiche zu vermarktlichen. Karl Polanyi wandte sich gegen jede Form von Dogmatik, allen voran der des wirtschaftsliberalen Marktfundamentalismus. Wiewohl ein Linker, kombinierte er progressives und konservatives Denken, um den Wirtschaftsliberalismus als eine illusionäre und deshalb gefährliche Ideologie zu entlarven. Polanyi zählt zu den wenigen linken Denkerinnen und Denkern, die schon früh die Ambivalenzen gesellschaftlichen Fortschritts erkannten und wussten, wie wichtig »Beheimatung« (habitation) gerade in Zeiten des Umbruchs ist. Deshalb hilft seine Analyse, um aktuelle Dynamiken wie die Klimakrise und den Aufstieg reaktionärer rechter Bewegungen besser zu verstehen.  

Politisch ist das 21. Jahrhundert bisher vor allem durch Instabilität und Machtverschiebungen geprägt. Die Vereinten Nationen wirken angesichts der globalen Kriege und Krisen überfordert. Der Handlungsspielraum der Weltorganisation wird derzeit zudem durch eine tiefe Vertrauenskrise eingeschränkt. Was wir seit einigen Jahren auf der Ebene der internationalen Beziehungen erleben, deutet auf die schleichende Ablösung der liberalen Weltordnung nach 1989 hin (Lucarelli 2022). Die USA, die Supermacht des 20. Jahrhunderts und Schutzmacht des Westens, haben – wesentlich durch das unberechenbare Handeln der Trump-Administration – außenpolitisch das Vertrauen verloren und sind selbst innenpolitisch instabil geworden. Gleichzeitig steckt das liberale Demokratiemodell westlicher Prägung in der Krise. Autoritäre Regime und Weltanschauungen sind auf dem Vormarsch. Neben den äußeren Herausforderungen durch autoritäre Systeme werden die liberalen Staaten von innen heraus durch demokratiefeindliche Massenbewegungen und eine rechtspopulistische Kultur bedroht – angeführt von einem transnationalen Netzwerk nationalistischer und oligarchischer Kräfte. Der Kulturkampf der transnationalen Neuen Rechten richtet sich (auch) gegen das Projekt einer sozial-ökologischen Transformation und den liberalen Staat als Regulationsinstanz.     



Als Fazit schreibt Matthes: Noch ist offen, in welches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem die Transformation mündet. Damit die aktuellen Transformationsprozesse als sozial-ökologische Wende gelten können, bedarf es einer Umkehrung der bisherigen marktwirtschaftlichen Logik, wie sie Polanyi in The Great Transformation analysierte. Gerade deshalb kommt es darauf an, Transformation nicht allein den Dynamiken von Märkten und Machteliten zu überlassen. Ein normativer und praktischer Fluchtpunkt ist der Ansatz der Just Transition: Er verbindet ökologische Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit und fordert politische Gestaltung, die auch Fragen der Teilhabe und Anerkennung einbezieht. Hierin liegt das Potential die sozial-ökologischen Krise zu entschärfen. Wenn die „Große Transformation“ unserer Zeit nicht zu einer autoritären oder rein marktgetriebenen Entwicklung führen soll, dann muss Just Transition zum Maßstab werden, an dem sich politische Projekte und gesellschaftliche Gestaltung messen lassen. 

Was ist Just Transition? Unsere Welt muss klimaneutral werden. Das erreichen wir nur, wenn wir unsere Lebensweise grund­legend verändern und auf Nach­haltigkeit aus­richten. Die Kosten und der Nutzen dieses Struktur­wandels müssen dabei gerecht ver­teilt werden. So ein gerechter Über­gang – eine Just Transition – hat das Ziel, die Lebens­bedingungen der Menschen spür­bar zu ver­bessern und gleich­zeitig die Treibhaus­gas­emissionen drastisch zu senken. Damit dies sozial gerecht gelingt, ist es wichtig, dass besonders be­troffene Gruppen von ihren Potenzialen profi­tieren und sich an Ent­scheidungs­prozessen be­teiligen können.


Sehr gut zu obigem Artikel passt ein Radiofeature, das ich letzthin anhörte:

Überreichtum – Wie Vermögensungleichheit Demokratie angreift

ARD Radiofeature · 30.03.2026 · 54 Min.

Vermögen ist in Deutschland extrem ungleich verteilt – mit Folgen für Politik und Demokratie. Das ARD-Radiofeature geht der Frage nach, wie Vermögende ganz legal politischen Einfluss ausüben können. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen im Land nicht mehr repräsentiert. In Interviews mit Erben, Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmerinnen, Forschenden und Lobbyisten wird nach möglichen Zusammenhängen von Vermögenskonzentration, Überreichtum und Demokratiedefiziten gesucht. Kern der Recherche ist die Frage, ob in der repräsentativen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland wirklich jede Stimme gleich viel wert ist. Ein Feature von Gilda Sahebi und Kristin Langen, Produktion: SWR-Kultur 2026.