Transformation ist zum Modewort geworden: grün, digital, gesellschaftlich, politisch. Es klingt nach Aufbruch, nach dem Schmetterling, der der Raupe entschlüpft. Doch Transformation bedeutet nicht zwangsläufig Fortschritt – sie kann auch Verlust, Machtverschiebung und Krisenerfahrung heißen.
Als ich im Internet nach dem Begriff Transformation mit seinen gesellschaftlichen Auswirkungen suchte, ist mir ein interessanter Artikel aufgefallen: Die Große Transformation reloaded? Polanyis Erbe und die Krisen des 21. Jahrhunderts

von Sebastian Matthes Sozialwissenschaftler (nicht zu verwechseln mit dem Chefredakteur des Handelsblatts mit gleichem Namen)
Politisch ist das 21. Jahrhundert bisher vor allem durch Instabilität und Machtverschiebungen geprägt. Die Vereinten Nationen wirken angesichts der globalen Kriege und Krisen überfordert. Der Handlungsspielraum der Weltorganisation wird derzeit zudem durch eine tiefe Vertrauenskrise eingeschränkt. Was wir seit einigen Jahren auf der Ebene der internationalen Beziehungen erleben, deutet auf die schleichende Ablösung der liberalen Weltordnung nach 1989 hin (Lucarelli 2022). Die USA, die Supermacht des 20. Jahrhunderts und Schutzmacht des Westens, haben – wesentlich durch das unberechenbare Handeln der Trump-Administration – außenpolitisch das Vertrauen verloren und sind selbst innenpolitisch instabil geworden. Gleichzeitig steckt das liberale Demokratiemodell westlicher Prägung in der Krise. Autoritäre Regime und Weltanschauungen sind auf dem Vormarsch. Neben den äußeren Herausforderungen durch autoritäre Systeme werden die liberalen Staaten von innen heraus durch demokratiefeindliche Massenbewegungen und eine rechtspopulistische Kultur bedroht – angeführt von einem transnationalen Netzwerk nationalistischer und oligarchischer Kräfte. Der Kulturkampf der transnationalen Neuen Rechten richtet sich (auch) gegen das Projekt einer sozial-ökologischen Transformation und den liberalen Staat als Regulationsinstanz.
Was ist Just Transition? Unsere Welt muss klimaneutral werden. Das erreichen wir nur, wenn wir unsere Lebensweise grundlegend verändern und auf Nachhaltigkeit ausrichten. Die Kosten und der Nutzen dieses Strukturwandels müssen dabei gerecht verteilt werden. So ein gerechter Übergang – eine Just Transition – hat das Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen spürbar zu verbessern und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen drastisch zu senken. Damit dies sozial gerecht gelingt, ist es wichtig, dass besonders betroffene Gruppen von ihren Potenzialen profitieren und sich an Entscheidungsprozessen beteiligen können.
ARD Radiofeature · 30.03.2026 · 54 Min.
Vermögen ist in Deutschland extrem ungleich verteilt – mit Folgen für Politik und Demokratie. Das ARD-Radiofeature geht der Frage nach, wie Vermögende ganz legal politischen Einfluss ausüben können. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen im Land nicht mehr repräsentiert. In Interviews mit Erben, Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmerinnen, Forschenden und Lobbyisten wird nach möglichen Zusammenhängen von Vermögenskonzentration, Überreichtum und Demokratiedefiziten gesucht. Kern der Recherche ist die Frage, ob in der repräsentativen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland wirklich jede Stimme gleich viel wert ist. Ein Feature von Gilda Sahebi und Kristin Langen, Produktion: SWR-Kultur 2026.

