Mein Freund Long hat mir das Buch Tortilla Flat von John Steinbeck zum Lesen überlassen. Es war zur Zeit des verzögerten Erwachsenenwerdens - nach seiner Aussage - ein Kultbuch unter ihm und seinen Spezis. Ein Schelmenroman sehr trickreich .... Mir hat der Roman nicht zugesagt. Hölzerner Schreibstil und seltsame Geschichten mit viel Alkohol ....
Ich hab dann nochmal mein damaliges Kultbuch hervorgeholt : Gammler, Zen und Hohe Berge. Den Autor Jack Kerouac hab ich 2022 schon mal erwähnt.
Er vereint die neuen Pfade der
Beat-Generation in Dichtung, Forschung, Meditation, Wildniswissen,
Selbstversorgung, politischem Aktivismus und Gemeinschaftssuche in
sich. In seiner Dichtung bilden gelebte Existenz und Wort eine
Einheit.
»Die ›Selbstversorger‹ sind jene Dichter, die selbst
an einem Ort leben, wo sie bleiben wollen, und die erkennen, dass
ihre Dichtung eine nützliche Rolle im täglichen Leben ihrer
Gemeinde spielt«, schreibt Gary Snyder über Seinesgleichen.
Geboren
1930, wuchs er in den Wäldern von Washington als Sohn eines Farmers
auf. Frühe Begegnungen mit der Kultur der Ureinwohner und das
Alleinsein in der Wildnis der Wälder und Berge führten zu seinem
Interesse an naturnahen Kulturen. Er studierte Anthropologie und
Literaturwissenschaften und machte zwischendurch eine erste lange
Seereise. Statt ein elitäres Akademikerdasein zu fristen, ging er
mitten ins Leben hinein: »Keiner von der Besatzung hat je gemerkt,
dass ich die Universität besucht hatte.« Nach dem
Hochschulabschluss arbeitete er als Holzfäller, Forstaufseher und
Steinmetz. »Erziehung ist nur sinnvoll, wenn man dazu bereit ist,
für die Entziehung ebenso viel Zeit aufzuwenden […] wieder mit
Leuten in Berührung zu kommen, mit einfachen Dingen.«
In dieser
Phase entstanden seine ersten Gedichte in einer direkten,
ungeschönten Sprache. Eine andere Quelle seiner Dichtung ergab sich
durch sein Studium der japanischen und chinesischen Sprache und des
Buddhismus. Zusammen mit Allen Ginsberg, Jack Kerouac und anderen ist
er ab 1955 in San Francisco am Entstehen der sogenannten
Beat-Bewegung als Lebensform und literarischer Protestform beteiligt.
Snyder ist in dieser Bewegung der schrägen Vögel, der Drogen und
Exzesse eine besondere Gestalt: Diszipliniert, ernsthaft meditierend
und studierend, sich selbst gesund ernährend, die Sprache der
einfachen Leute sprechend – so wird er bald von seinen eigenen
Leuten und darüber hinaus hoch geachtet. Ein beredtes Dokument dafür
ist der Roman von Jack Kerouac »Gammler, Zen und hohe Berge«, in
dem ihm sein Freund als Japhy Ryder ein Denkmal setzt.
Und diese Person hat mich besonders beeindruckt ...Und im Roman ist er sehr eigen und sympathisch dargestellt.
Zen und
Gemeinschaft
Es folgt Snyders erste Tramptour durch Japan und der
Beginn seiner Lehrzeit im Zen-Kloster. Nach einer Weltumschiffung als
Heizer und Maschinist setzt er von 1959 bis 1965 das Studium unter
seinem Meister Oda Sesso Roshi fort. 1965 wurde er Dozent am Poetry
Center in Berkley und vermittelte dort in einer schreibenden
Werkstatt-Kommune seine Philosophie: »Man braucht nur eine Minute,
um ein Gedicht zu schreiben. Aber mein ganzes Leben besteht darin,
dem Lied zuzuhören.«
In Japan hatte er auf einer Vulkaninsel
eine Gemeinschaft gegründet. Während jener Zeit notiert er: »Du
gibst jemandem einen Pullover, und im nächsten Jahr siehst du
denselben Pullover an zehn oder fünfzehn verschiedenen Leuten
wieder«. Er kommt gerade rechtzeitig zurück in die USA, um »die
Bäume und Gräser zur Rebellion gegen die Ausbeuterklasse
aufzuwiegeln.« 1967 initiiert er das erste legendäre »Human Be-In«
als »Gathering of the Tribes«, als Stammesversammlung der
Gegenkultur in San Francisco.
»Ich habe erfahren, dass für meine
Arbeit und mein geistiges Wachstum das Leben in einer Gemeinschaft
wertvoller ist als das in einem Netzwerk Gleichgesinnter. Weil das
Netzwerk einen darin bestärkt, sich wichtig zu nehmen, die
Gemeinschaft aber nicht.« Ab 1970 lebt er mit seiner Familie und
Freunden auf dem Land in Nordkalifornien und erwartet, »die nächsten
zwei oder drei Jahrtausende dort zusammen zu sein.«
Dieses gedehnte
evolutionäre Zeitverständnis wendet Snyder auch politisch in seiner
Zeit als Berater in einer Regierungskommission an. Berühmt ist seine
Antwort auf die Frage des Gouverneurs: »Kämpfst du nicht ständig
gegen den Lauf der Dinge an?« – »Nein, das ist nur ein Wirbel im
Fluss, gegen den ich angehe. Mit der großen Strömung bin ich im
Einklang.«
Mittlerweile ist Snyder emeritierter Professor der
Universität von Kalifornien, hat viele Ehrungen erhalten, unter
anderen 1975 den angesehenen Pulitzer-Preis für sein Buch
»Schildkröteninsel« und 1998 als erster Amerikaner den Buddhist
Transmission Award. Nach einer längeren Pause veröffentlichte er
1996 das epische Gedicht »Mountains and Rivers Without End«, an dem
er über 40 Jahre geschrieben hat.
Mit 80 Lebensjahren und der
ganzen Evolution im Rücken blickt Gary Snyder gelassen in die
Zukunft.

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