13.07.26

Heupferd

 Letzthin waren zwei in der Wohnung. Anlass für mich nun etwas mehr über dieses phantastische Insekt zu erfahren. Normalerweise sind sie ja nicht so leicht zu entdecken oder hüpfen schnell davon.


Eine schöne Seite vom Nabu gibt es hier. Ein Naturphotograph bietet hier schöne Bildfolgen. Das Heupferd ist bei uns die größte Schrecke. Ich fing sie damals ein und ließ sie davonfliegen.


Die Männchen "singen" um Weibchen anzulocken. Das funktioniert so:
Wie die meisten anderen Langfühlerschrecken auch, erzeugt es die Töne mit den Flügeln: Die Vorderflügel werden gegeneinander bewegt, wobei die erhabene Schrillleiste mit winzigen Zähnchen (A) auf der Unterseite des linken Flügels über die harte Schrillkante (B) des rechten Flügels gestrichen wird. Ungefähr so, als würde man mit einem Kamm über eine Tischkante fahren. Beide Vorderflügel besitzen noch einen Gesangsverstärker: Der sogenannte Spiegel (C) ist ein kleines Feld, das mit einer Membran bespannt ist. Beim Singen gerät die Membran in Schwingung und der Spiegel wirkt als Resonanzkörper, wie der Korpus einer Gitarre. Der Spiegel des rechten Flügels verstärkt den Ton dabei deutlich besser als der des linken Flügels, welcher mit Adern durchzogen ist (siehe Foto) und daher weniger gut schwingt. 


Das „Ohr“, um das Ständchen der Sänger hören zu können (das sogenannte Tympanalorgan), verbirgt sich bei den Heupferden, wie bei den meisten Langfühlerschrecken, unterhalb des Knies an beiden Vorderbeinen und ist in Form von jeweils zwei spaltförmigen Öffnungen (D) erkennbar – wenn man ganz genau hinschaut!  


Paarung

Eingeleitet wird die Paarung durch die Männchen-Gesänge, auf die die Weibchen unterschiedlich reagieren:

    Paarungsbereite Weibchen der Langfühlerschrecken (Ensifera)lassen sich von den Gesängen der Männchen anlocken und besteigen diese schließlich. Je nach Art bleiben die Männchen unter ihrer Partnerin, oder sie ändern ihre Position, indem sie sich z.B. nach hinten wegdrehen oder sich gar auf den Kopf stellen. Der Partner ergreift dann mit einem Paar feiner Dornen am Hinterleibsende (den sog. Cerci) das Hinterleibsende der Partnerin, sondert eine weißliche gallertartige Spermatophore ab und klebt diese an die weibliche Genitalöffnung. Daraufhin trennt sich das Paar wieder – die Paarung dauert hier nur wenige Minuten.
    Gleich nach der Trennung beginnt das Weibchen, die Gallerte aufzufressen, was mehrere Stunden dauern kann. Währenddessen wandern die Spermien die Spermien aus dem Inneren der Gallerte in die Genitalöffnung des Weibchens und befruchten dessen Eier.

weibliches Heupferd

Eiablage

Wenige Tage nach der Paarung beginnt die Eiablage.

Das Weibchen versenkt seine Eier im Erdreich oder in oberirdischen Medien wie etwa rissiger Baumrinde, Pflanzenstengeln oder Blättern
Die Weibchen der Langfühlerschrecken bohren ihre auffällig lange Legeröhre ins jeweilige Nestsubstrat und legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen .Die Eier der meisten Arten überwintern, so dass die nächste Generation erst im nächsten Frühjahr erscheint.



Larvalentwicklung

Die Larven schlüpfen erst nach der Winterruhe im Frühjahr – Das für Insekten so Erstaunliche ist, dass die Larven bereits im ersten Stadium den späteren erwachsenen Heuschrecken ähneln.

Die Flügelanlagen sind zunächst winzig klein und erst in den letzten beiden Stadien deutlich als lappenförmige Gebilde deutlich zu erkennen. Die hinteren Flügel sind hier zwar schon ausgebreitet, aber über die vorderen geklappt, und beide (Vorder- und Hinterflügel) liegen oft etwas versetzt nebeneinander.

Der lange Legebohrer der Laubschrecken entwickelt sich ähnlich den Flügeln und parallel zu den Larvalstadien.

Die einzelnen Stadien werden nicht annäherungsweise anhand ihrer Größen, sondern präzise durch regelmäßige Ereignisse unterschieden, nämlich die Häutungen zwischen ihnen. Während sich der Hinterleib im Zuge des Wachstums durch Dehnung der Häute zwischen seinen Segmenten ständig vergrößert, bleiben die vorderen beiden Abschnitte des Heuschreckenkörpers zwischen den Häutungen gleichgroß und vergrößern sich erst während einer Häutung. Die Haut wird nicht in Teilen abgestreift, vielmehr verlässt die Larve die vollständige alte Hülle.

Häutung

Die meisten Arten der Schrecken können in Eiform sogar den Winter überdauern, bevor sie sich im Frühjahr in das nächste Stadium weiterentwickeln. Grillen sind bereits im Mai oder Juni ausgewachsen, andere Heuschreckenarten erst im Sommer. Bei manchen Arten wie dem Grünen Heupferd kann die Entwicklung sogar mehrere Jahre dauern. 



Videos: Das grüne Heupferd in 60 sec (kurze Übersicht)