25.04.24

Der Rieskrater

 Das Ries ist eine geologische Besonderheit - eine fast kreisrunde Fläche zwischen der Fränkischen und der Schwäbischen Alb. (Der Hauptort Nördlingen liegt übrigens nicht in der Mitte sondern eher im Westen)


Das Ries gilt als eine Schatzkammer der Vor- und Frühgeschichte und weist eine beeindruckende Siedlungskontinuität auf: Von der Altsteinzeit über die Römer- und Alamannenzeit bis hin zur Landesentwicklung des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Adel, Städte, Klöster und Kirchen schufen eine facettenreiche kulturelle Vielfalt. Die Orte, die auf-ingen und -heim enden, verweisen auf die alamannische und fränkische Besiedlungsgeschichte des Rieses.

Bereits die Kelten haben es gewusst: Das Ries ist mit seinen sanfthügeligen, teils mächtigen Plateaus und seinen fruchtbaren Böden besonders von der Natur begünstigt. Was man jedoch erst seit den 60er Jahren des vergangen Jahrhunderts weiß: Es war ein kosmisches Ereignis, das diese Landschaft schuf und alles Leben im Umkreis von 100 Kilometern auslöschte. Der Aufprall eines etwa einen Kilometer großen Steinasteroiden hinterließ die besondere Natur- und Kulturlandschaft des Rieses.

Im Geo-Park Infozentrum Nördlingen und im daneben liegenden Kratermuseum kann man sich intensiv mit der Entstehung des Rieses befassen. So gibt es z.B. die Möglichkeit verschiedene Animationen selbdt zu bedienen:

In einer Animation kann man das Ries-Ereignis als Film beobachten:

Die Datenmenge ist für diesen Blog zu hoch, aber es gibt auch auf you tube einen sehr guten Film über das Nördlinger Ries!

Man kann im Museum an einer Station verschiedene Himmelskörper als Animation einschlagen lassen:

Auf die wahre Ursache der Riesentstehung brachte die Forscher ein außergewöhnliches Gestein: Der Suevit oder Schwabenstein. Ursprünglich hielt man ihn für vulkanisches Tuffgestein, also verfestigte Vulkanasche. Ein Irrtum, wie sich herausstellte, denn das Impaktgestein gilt heute weltweit als wichtigster Beweis für Meteoriteneinschläge. Der „Schwabenstein“ entstand, als die Glutwolke aus geschmolzenem Gestein, die beim Einschlag des Asteroiden entstand, über dem Krater zusammenbrach, sich abkühlte, verfestigte und zurück auf die Erde fiel. Markant sind die im Suevit eingelagerten, dunkelgrauen Schmelzkörper – die so genannten „Flädle“.

Suevit

Hier wird das Ganze noch näher erläutert ...


Ein anderes Gestein (bunte Breccia / bunte Trümmermassen) kommt auch noch als Besonderheit vor.

als Schicht über Kalkstein

Der große Asteroid hatte einen Begleiter . Der ging damals im Steinheimer Becken nieder und da er wesentlich kleiner war, nicht die großen Auswirkungen hatte.

Der Suevit wurde in vielen Bauwerken der Umgebung verbaut.

der Daniel

Stadttor Nördlingen

am Rathaus Nördlingen

Der Rieskrater bildet den Dreh- und Angelpunkt des Nationalen Geoparks Ries: Der Einschlagskrater Nördlinger Ries ist der am besten erhaltene Krater Europas. Das flache, weitgehend unbewaldete Kraterbecken mit seinen 25 km Durchmesser und der bis zu 150 m hohen Kraterrand sind extrem gut in der Landschaft sichtbar. 

Die Einzigartigkeit, die Europas besterforschter und -erhaltener Meteoritenkrater aufweist, trug der Region im Jahr 2006 das Prädikat „Nationaler Geopark“ ein. 











04.04.24

Mein Frankenbüchle

 Vielleicht fragt mich mal der eine oder andere - die eine oder andere - mal im Gespräch nach dem was FRANKEN auszeichnet und vielleicht typisiert. Dazu hab ich vor einiger Zeit als Zusammenstellung mein  FRANKENBÜCHLE geschrieben. Es ist nicht gedruckt, aber in dropbox abzurufen ...

Hier der link:

https://www.dropbox.com/scl/fi/iuj81d3hukwrw2y568jpv/Buch.pdf?rlkey=i39hdwh29ejjflg6yp9wp5jmy&dl=0

Für mich ist das zum Nachschlagen auch eine Hilfe, denn so hab ich es meist dabei (Vorteil der Digitalisierung)

15.01.24

Edison in Lauf

 Bei meinen kleinen Trips in der Region entdeckte ich in Lauf am Marktplatz an einem Haus folgende Tafel:

Inschrift:




Lauf, 19. Sept.1911 - Gestern Nachmittag kurz nach 6 Uhr wurde ein 12-jähriger Knabe namens Lederer von Heuchling oberhalb Lauf an der Stadtgrenze von einem Automobil überfahren und sofort getötet. Das Automobil befand sich auf einer kontinentalen Tour und kam von Karlsbad. Wie wir hören, trifft dem Chauffeur kein Verschulden, denn der Knabe ist beim Überqueren der Straße kurz vor dem Auto hingefallen, so daß ein Anhalten oder Seitwärtslenken des sehr schweren und langen Wagens nicht mehr möglich war. Nach dem Unfall wurde das Automobil auf amtliche Veranlassung in den Hof des Gasthofs " Zur Krone" gebracht und der Chauffeur über Nacht in polizeilichen Verwahrsam genommen. Nach den bereits gestern Abend und heute Morgen gepflogenen Untersuchungen ist dann heute Nachmittag das Automobil freigegeben und der Chauffeur außer Verfolgung gesetzt worden, da demselben keinerlei Verschulden an dem traurigen Vorfall beigemessen werden kann. Unter den Insassen des Automobils befand sich der berühmteste Mann der Jetztzeit: nämlich der amerikanische Erfinder E d i s o n nebst Frau und Kindern und ein Journalist der Londoner "Times" namens Walentine, ferner folgten in einem weiteren Automobil eine Tochter Edisons aus zweiter Ehe und deren Mann, ein Gendarmeriemajor aus Mühlhausen. Sämtliche Fahrtteilnehmer blieben im Gasthof "zur Krone", wo sie auch übernachteten. Der Journalist Walentine meldete den gehabten Unfall seinem Blatt in einem längeren Telegramm, worauf er durch den gehabten Schrecken unwohl wurde und den Arzt konsultieren mußte. Edison äußerte sich sehr betrübt über den gehabten Unfall und auch die Damen verließen sofort das Automobil und nahmen sich des Knaben an, der aber nur noch einige Zuckungen tat. Wie wir hören, erhielt die Mutter des verunglückten Knaben von der Familie Edison den Betrag von 400 Mark überwiesen. - Anknüpfend an das traurige Vorkommnis machen wir auf die Bekanntmachung des Magistrats im amtlichen Teil der heutigen Nummer, betr. die Beaufsichtigung der Kinder durch die Eltern aufmerksam.

Das Ensemble der Häuser besteht im Wesentlichen noch, wobei die Geschäftstätigkeiten sich gewandelt haben.

Bild damals: 

auf der Tafel:


Edison (hier im Jahr 1914)

 
kam im Jahr 1911 aus Brünn zurück. Dort hat er die Beleuchtung  des Theaters angesehen. Die Firma hat sie schon im Jahr 1882 installiert. Das Theater in Brno in Tschechien war 1882 das erste Gebäude der Alten Welt, das mit sogenannten Edison-Lampen ausgestattet wurde. Heute gibt es zur Erinnerung dort eine Skulptur.





 


Hier ein Bild von 1911:
 
Zweck der Reise ist nicht klar, könnte aber einfach ein Europaausflug gewesen sein, denn auch in Wien übernachteten sie ....










05.01.24

Die Wiedertäufer

 Bei meiner kurzen Bahnreise nach Augsburg fand ich im Lechgebiet an einem Haus folgende Tafel vor:

Das hat mich interessiert und zu Hause hab ich dann recherchiert. Zur besseren Lesbarkeit hier eine aufgehübschte Aufnahme:

Wer waren diese Täufer oder auch Wiedertäufer?

Die andere Reformation (https://mennonitengemeinde.de/die-andere-reformation.html) 

Gartengeschwister wurden sie in Augsburg genannt. Um die 1000 sollen es zwischen 1526 und 1528 gewesen sein. Von ihren Gegnern wurden sie als Ketzer, Aufrührer, Wiedertäufer, Schwärmer, Himmelsstürmer, neuer Tauforden oder neue Möncherei diffamiert. Die historische Forschung spricht heute von Täuferbewegung oder „radikaler Reformation“. Sie übten Kritik an der Säuglingstaufe und wollten wie die frühe Kirche nur Erwachsene taufen. Die Taufe sahen sie als Zeichen der Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Viele verweigerten der Obrigkeit den Waffendienst, weil sie Jesu Gebot der Feindesliebe ernst nehmen wollten. Das machte sie bei den Mächtigen nicht beliebter. Vom Augsburger Stadtrat und der offiziellen Reformation in den Untergrund abgedrängt, wurden sie schließlich gewaltsam vertrieben. Fast überall im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ waren sich die entstehenden lutherischen und reformierten Kirchen mit der katholischen Kirche und den jeweiligen Landesherren einig: Als „Aufrührer“ und „Gotteslästerer“ müssen die Täufer kriminalisiert, verfolgt und vernichtet werden. Luthers Mitarbeiter Philipp Melanchthon verdammte die „Wiedertäufer“ im Augsburger Bekenntnis in vier Artikeln. Ein gemeinsames Feindbild sollte Brücken bauen zur katholischen Religionspartei. In Gutachten empfahl Melanchthon die Todesstrafe für halsstarrige Täufer.

Und so kam es dann auch in der heutigen Friedensstadt Augsburg.
Vorgeschichte:
Augsburg zählt mit seiner über 2000-jährigen Geschichte zu den ältesten Städten Deutschlands. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts war Augsburg Freie Reichsstadt, die sich zu einem herausragenden wirtschaftlichen Zentrum entwickelte. Die Familien der Fugger und Welser beeinflussten mit ihrem Geld sowohl die Kaiserwahl wie auch den Ablasshandel des Papstes. Durch Martin Luther wurde Augsburg schließlich zu einem der Dreh-und Angelpunkte der Reformationsgeschichte. Luther kam im Oktober 1518 nach Augsburg, wo er sich im Karmeliterkloster St. Anna aufhielt. Die Gespräche mit Kardinal Cajetan im Hause Jakob Fuggers blieben ohne Resultat und damit ohne den gewünschten Widerruf seiner 95 Ablass-Thesen.
Die Confessio Augustana, das Augsburger Bekenntnis, hat als evangelische Bekenntnisschrift bis heute Gültigkeit. Bei der Übergabe der Glaubensschrift am 25. Juni 1530 spielte Martin Luther erneut eine wichtige Rolle. Von Coburg aus verfolgte er das Geschehen und tauschte sich im Vorfeld schriftlich mit den in Augsburg versammelten Theologen, insbesondere mit Philip Melanchthon über die darin formulierten Artikel und Grundsätze aus.


Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 sollte die Anhänger der Confessio Augustana mit den Anhängern der römisch-katholischen Kirche gleichstellen – also das friedliche Zusammenleben verschiedener Konfessionen ermöglichen. Dies war ein erster wichtiger Versuch, eine rechtliche Lösung für die religiösen Konflikte zwischen Katholik*innen und Protestant*innen zu finden. Dem Augsburger Religionsfrieden ist eine der längsten Friedensperioden im Reich (von 1555 bis 1618) zu verdanken. Den 30-jährigen Krieg konnte er jedoch nicht verhindern. Am 8. August 1629 wurden in Augsburg alle evangelischen Prediger entlassen und die Kirchen geschlossen oder abgerissen. Erst durch den Westfälischen Frieden im Jahr 1648, der die Religionskriege beendete, erhielt die evangelische Glaubensgemeinschaft ihre Kirchen zurück. Die Stadtverfassung besiegelte die Parität – also die Gleichbehandlung der Konfessionen in allen öffentlichen Ämtern – allerdings beschränkt auf den evangelischen und katholischen Glauben.

Und hier kam Susanne Daucher schon 1528 zwischen die Mahlsteine der Religionen.

Sowohl ihre Schwester als auch ihre gemeinsame Mutter gehörten ab 1527 der Augsburger Täufergemeinde an. Um 1515 heiratete sie den in Stuttgart geborenen Bildhauer und Medailleur Hans Adolf Daucher, der gemeinsam mit seinem Vater Adolf Daucher († zwischen 1523 und 1525) eine Bildhauerwerkstatt betrieb. Beide werden heute zur so genannten Ulmer Schule gezählt und galten schon zu Lebzeiten als bekannte Vertreter ihres künstlerischen Handwerks.[2] Aus der Ehe mit Hans Daucher gingen mindestens zwei Kinder hervor, die im Frühjahr 1528 drei und sechs Jahre alt waren. Ein drittes Kind war zu diesem Zeitpunkt unterwegs. Ob Susanna es lebend zur Welt gebracht hat, ist unbekannt. Hans Daucher wurde allerdings später als „Vater von drei Kindern“ vorgestellt.

Dass Susanna Daucher in der Stadtgeschichte Augsburgs Erwähnung findet, steht im Zusammenhang mit ihrer Mitgliedschaft in der Augsburger Täufergemeinde, deren Anfänge auf das Jahr 1525 zurückgehen und deren Entstehung sowie deren überregionale Bedeutung mit den Täuferpersönlichkeiten Ludwig HätzerBalthasar HubmaierHans Denck und Hans Hut eng verbunden sind.[3] Auf welche Weise Susanna Daucher zur Täufergemeinde Kontakt fand, ist nicht überliefert. Belegt ist aber, dass sie sich im November 1527 gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Maxentia Wisinger gegen den Willen ihres Ehemannes taufen ließ. Ort der Taufe war das Haus des Spitzenklöpplers Huber. Als Täufer wird ein gewisser Thomas oder auch Thoman erwähnt. Wahrscheinlich handelte es sich um den aus Memmingen stammenden Thomas Waldhausen[4], der wenige Monate zuvor an der Augsburger Märtyrersynode als Mitglied der „Fraktion“ Hans Huts teilgenommen hatte.[5] Susanna Daucher veranstaltete Bibellesekreise für Frauen und legte biblische Texte aus. Sie nahm an Täufertreffen außerhalb Augsburgs teil, so zum Beispiel in Radegundis beim Schloss Wellenburg, das heute im Augsburger Stadtteil Bergheim liegt. Auch war sie im diakonischen Bereich tätig und unterstützte arme Frauen, insbesondere Witwen.

In den Tagen vor Ostern 1528 fanden in Augsburg mehrere Täuferversammlungen statt, die in Privathäusern abgehalten wurden. So traf man sich am Sonnabend vor Palmsonntag zu einer Abendmahlsfeier im Keller des Wohnhauses der Täuferin Barbara Schleifer und anschließend zu einer Versammlung, zu der Georg Nespitzer eingeladen hatte und bei der es um die Klärung theologischer Lehrfragen ging.[6] Nespitzer stand zu diesem Zeitpunkt wohl noch ganz unter dem Einfluss der an Thomas Münzer orientierten Hutschen Theologie, die von einer „brennenden Naherwartung“ der Wiederkunft Christi geprägt war.[7] Hut (und wohl auch Nespitzer) rechneten damit, dass mit dem Pfingstfest 1528 das Gericht Gottes über alle Gottlosen beginnen würde. Am Sonnabend vor Ostern (11. April 1528) fand eine weitere Begegnung statt – diesmal im Haus des Augsburger Bürgers Gall Fischer, der aber zu dieser Zeit auf einer Missionsreise war. Georg Nespitzer und Claus Schleifer leiteten die gottesdienstliche Zusammenkunft, bei der auch einige Gläubige getauft wurden. Man verabredete sich zum Ostergottesdienst am folgenden Sonntag im Haus an der Schleifergasse 10, der Wohnung der Familie Daucher.[8] Hans Daucher war zu dieser Zeit berufsbedingt in Österreich unterwegs.

Die Verantwortlichen der Stadt Augsburg hatten schon längere Zeit zuvor per Ratsbeschluss die Aufnahme und Bewirtung von Täufern strengstens verboten. Susanna Daucher verhängte deshalb bei der Vorbereitung des Gottesdienstes vorsorglich die Fenster ihres Hauses mit Tüchern. Die rund 100 Personen, die sich im Daucher-Haus zum Gottesdienst eingefunden hatten, konnten aber in der Enge des Augsburger Lechquartiers nicht verborgen bleiben.


 Das Treffen wurde bei den städtischen Behörden denunziert. Nespitzer und sein Mitältester Hans Leupold müssen die drohende Gefahr geahnt haben. Beide warnten die Versammlung, doch die meisten Gottesdienstbesucher blieben. Der Stadtrat beorderte bewaffnete Polizeikräfte und ließ das Haus umstellen. Nach etwa einer Stunde erfolgte der Zugriff. 88 Personen wurden verhaftet, in Eisen gelegt und zum Rathaus verbracht. Unter ihnen befanden sich 39 nicht ortsansässige Täufer und Täuferinnen, die bereits am folgenden Tag mit der Peitsche, einige auch nach Kennzeichnung durch „den Brand auf den Backen“, der Stadt verwiesen wurden.[9] Die Augsburger Bürger und Bürgerinnen unterzog man peinlichen Verhören. Susanna Daucher verteidigte sich unter anderem mit dem Argument, dass auch in häuslicher Umgebung gemeinsames Bibellesen und Beten nicht verwerflich sein könne. Am Ende der gerichtlichen Untersuchungen stand der so genannte „Verruf“, mit dem die schwangere Susanna Daucher aus der Stadt vertrieben wurde und der heute zu den Ausstellungsobjekten der Lutherstiege Augsburg gehört:

Susanna Daucher, genannt Adolfin von Augsburg[10], hat gegen die getreue Warnung, die der ehrbare Rat der Stadt Augsburg hat verkünden und anschlagen lassen die besagt, dass niemand die Wiedertaufe annehmen sollte, dass zusammenkommen und sich versammeln von Wiedertäufern verboten ist und mit Leibes- und Lebensstrafen bestraft wird, die Wiedertaufe angenommen. Sie hat Wiedertäufern zu Essen gegeben, sie mit Speis und Trank versorgt, in ihrer Wohnung hat sie eine verbotene Versammlung zugelassen und Versammlungen an anderen Orten besucht. Darum hat dieser Rat beschlossen, dass sie mit dem Brand auf ihren Backen bezeichnet werden sollte. Da sie aber schwanger ist, wurde sie begnadigt, damit sie aus der Stadt geführt werde. Ihr Leben lang darf sie nicht mehr in dasselbe Gebiet kommen, auch nicht in einen Umkreis von sechs Meilen. Danach habe sich jedermann zu richten. Gegeben am 21. April Anno 1528.[11]

Am Tag der Urteilsverkündung wurde Susanna Daucher unterhalb des Rathauserkers an den Pranger gestellt.[12] Anschließend wurde der Ausweisungsbeschluss umgehend vollzogen. Die beiden Kinder musste Susanna Daucher zurücklassen; sie wurden unter Pflegschaft gestellt. Als der Ehemann, der im Blick auf das Geschehene ahnungslos war, von Wien zurückkehrte, war seine Existenz durch den Verlust seiner Familie und den Einzug seines Vermögens ruiniert. Damit war auch seine künstlerische Tätigkeit beendet; nach dieser Zeit ist – soweit bekannt – kein Werk mehr von ihm entstanden. Ab 1530 führte man Hans Daucher in den städtischen Steuerlisten als „Habnit“ (= Habenichts). Er verzog nach Württemberg, wo er gegen geringen Lohn eine Anstellung bei Herzog Ulrich fand. Um 1537 starb Hans Daucher in einem Siechenhaus in der Nähe von Stuttgart. Ob er seine Ehefrau wiedergesehen hat, muss eine offene Frage bleiben. Susanna Dauchers weiterer Lebensweg bleibt ebenfalls im Dunkeln. Vermutungen gehen dahin, dass sie – wie andere vertriebene Täufer auch – in Stuttgart eine neue Heimat fand.

Ab 1526 gab es in Augsburg also mit der Täuferbewegung eine dritte reformatorische Richtung. Wegen ihrer Ablehnung der Kindertaufe und der staatlichen Gewalt wurden sie jedoch vertrieben, einer ihrer Prediger 1528 hingerichtet. Sie gelten als Vorläufer der pazifistischen Bewegung und der Freikirchen. Die Bezeichnung „Mennoniten“ erhielten sie später nach dem niederländischen Täufer Menno Simons.

Die heutige Gemeinde entstand 1912 in Donauwörth. Vierzehn Jahre später verlegte sie ihren Sitz nach Augsburg. Gegründet wurde sie von mennonitischen Bauernfamilien, die aus der Pfalz und Baden kamen und freie Hofstellen in der Region Augsburg pachten konnten. Die heute 40 Gemeindemitglieder leben weit verstreut, nur wenige direkt in Augsburg.

Heute bezeichnet sich Augsburg als Friedensstadt. hat einen eigenen Feiertag und organisiert verschiedene Veranstaltungen zum Thema Frieden ...

Interessant ist hier vielleicht noch der umfangreiche Atlas der Religionen für Augsburg.

06.11.23

Die Holzbildhauer Verginer

 Bei meiner Tour durch Iphofen kam ich in die Galerie MAXART . Dort gab es eine Ausstellung mit sieben Künstlern  unter dem Titel Sieben auf einen Streich:

Besonders die Skulpturen haben mich fasziniert. Und deshalb hab ich mal über die 3 Verginer recherchiert.

links: der Vater Willi Verginer / daneben die Zwillingsbrüder Matthias (rechts) und Christian (Mitte)

Willi Verginer (Jahrgang 1957) stellt international aus und arbeitet sehr vielfältig: (Siehe links)









Christian Verginer (Jahrgang 82) stellt auch international aus und hat vielfältige Ideen:



ist in Iphofen zu sehen - nicht gemalt, alles geschnitzt !

jedes Blatt aus Holz



Auch Matthias Verginer (Jahrgang 1982) hat seine eigene Art. In Iphofen sind ältere, kleine Werke ausgestellt, die viel Ironie beinhalten. Heute produziert er größer und stellt auch international aus.


Eine Aktion 2015 Titel: Climate Change







Und ist es ein Wunder, dass Werke von diesen 3 in Iphofen ausgestellt sind? Es hat eine Vorgeschichte, die mit dem Gründer der Galerie zusammenhängt.


Das ist Paul Streck im Jahr 2013. Er hat mit seiner Frau Maria 2002 die Galerie ins Leben gerufen. Hier ein Interview:

Frage: Unter der Woche leiten Sie ein Unternehmen für Filterelemente für Versickerungsanlagen, am Wochenende sind Sie Galerist. Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Paul Schreck: Ich habe beruflich in jungen Jahren den Zeichner Horst Janssen aus Hamburg kennengelernt. Er hat mich an die Kunst herangeführt. Es war bei meiner ersten Stelle. Der Chef beauftragte Janssen ein Firmenlogo, Weihnachtskarten und so weiter zu gestalten. Dieser  erstaunliche, oft versoffene Typ kam zu mir ins Labor und bat mich, Farben für ihn zu mischen. Das war der Anstoß. Ich habe angefangen, Grafiken zu sammeln – wie man das halt so macht, wenn man jung ist und wenig Geld hat. Nach und nach habe ich mich mehr mit Kunst beschäftigt, habe guckt und gesammelt.

Sie arbeiten und leben in Kreuzwertheim, Ihre Galerie Max-21 allerdings ist in der Iphöfer Altstadt. Was steckt dahinter?

Schreck: Ein glücklicher Zufall hat uns Ende der 90er Jahre nach Iphofen geführt. Und so ist uns Iphofen eine zweite Heimat geworden.

Glücklicher Zufall?

Schreck: Ja, eine Anzeige in der Zeitung. Ein Haus stand in der Iphöfer Altstadt zum Verkauf.

Damit war die Idee geboren, eine Galerie aufzumachen?

Schreck: Nein. Die kam später. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Platz für unser Auto und andere Sachen. Ein Nachbar erzählte uns, dass das Anwesen in der Maxstraße 21 verkauft wird. Die Räume waren ideal zur Verwirklichung einer Galerie geeignet.

Sie stellen Werke von international bekannten und anerkannten Künstlern aus. Eine Galerie in einer Großstadt erscheint da sinnvoller. Warum haben Sie sich für das Land entschieden?

Schreck: Zum einen hat Iphofen ein besonderes Flair, zum anderen sind die Menschen in den Großstädten von zahllosen Events überfrachtet. Ein Kunstkauf ist etwas Besonderes und braucht eine besondere Stimmung und Atmosphäre.

Lieber ein Gemälde oder eine Skulptur? Warum?

Schreck: Das kann man nicht generell sagen. Jedes Kunstwerk braucht seinen Platz. Bei Bildern braucht man immer eine freie Wand. Die Architektur geht zu Glas, wird offener. An welche Wand soll man da ein Bild hängen? Eine Skulptur kann man auch auf die Terrasse oder in den Garten stellen.

Wer kommt zu Ihnen die Galerie?

Schreck: Unsere Besucher kommen aus ganz Europa. So hatten wir vergangenes Wochenende unter anderen Gäste aus Schweden. Häufig kommen unsere Gäste aus den Ballungsräumen in Deutschland, teilweise gezielt, teilweise zufällig. Dann Faktor Iphofen darf man nicht unterschätzen.

Wie viele Ausstellungen haben Sie schon organisiert? Welche ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben. Warum?

Schreck: Bislang organisierten meine Frau Maria und ich seit der Galerie-Eröffnung 2002 etwa 50 Ausstellungen. Alle Ausstellungen hatten ihren eigenen Charakter. Besonders in Erinnerung ist uns die erste Ausstellung im März 2002 mit Bildern von Otto Modersohn aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Iphofen und Umgebung . Modersohn war einer der Gründer der Künstlerkolonie Worpswede. Ich wusste lange nicht, dass er einen Bezug nach Iphofen hatte. Uns ist es gelungen, 15 Gemälde zu zeigen und auch welche zu verkaufen. Stolz bin ich, dass zwei Bilder in Iphofen geblieben sind.

Am Sonntag, 27. Oktober, eröffnet die neue Ausstellung Deberieda der Bildhauerfamilie Verginer. Was heißt das?

Schreck: Deberieda ist ladinisch und heißt gemeinsam. Die Familie Verginer gehört zum Volksstamm der Ladiner, also zu einer einer Sprachengemeinschaft in Südtirol, und spricht in der Familie ladinisch.

Die Verginers, ein Vater und seine Zwillingssöhne, zeigen Holzskulpturen, die so gar nichts mit grob geschnitzten Heiligenfiguren zu tun haben. Was ist das Besondere an dem Trio und ihren Arbeiten?

Schreck: Matthias, Christian und Willy Verginer kommen schon aus der Tradition der Herrgottsschnitzerei des Grödnertals, sind jedoch über das Handwerkliche hinausgewachsen. Auch wenn alle drei zusammen in einer Werkstatt arbeiten, haben sie alle haben ihren eigenen Stil entwickelt und stellen mittlerweile in der ganzen Welt erfolgreich aus.

Von dieser Ausstellung gibt es noch einen Zeitungsartikel

2012 war ich mit Geli in Iphofen und habe die Fassade des Galeriegebäudes fotografiert. Diesen Mann, der aus dem Fenster lugt, fand ich orginell:

Jetzt ist mir klar, dass es den Paul Streck darstellt !!

Der Herr , der mich durch die Ausstellung begleitete, war nicht der Streck. Die Galerie firmiert jetzt auch unter Maria Mienek (wahrscheinlich die Frau von Streck). Wahrscheinlich ist er verstorben, denn Paul Schreck wurde 2020 als Geschäftsführer von Maria Mienek abgelöst und ging bald darauf in die Liquidation. Auflösung dann Ende 2020.

Die Figur im Fenster gibt es nicht mehr, dafür aber ein Gemälde von ihm ! So geht dann alles seinen Gang .... 

 


11.07.23

Der Mäzen Klutentreter

 

2010 wäre Kurt Klutentreter 100 Jahre alt geworden. Der im Alter immer eigenwilliger und schrulliger gewordene Unternehmer, der 2000 starb, war einer der ganz großen Mäzene der Stadt. Er stiftete Millionen.

In Kurzform: Lehre als Industriekaufmann in einer Bleistiftfabrik, anschließend Auslandsreisender. Nach dem Zweiten Weltkrieg Gründung der „Papyrus“-Wellpappe- und Kartonagenfabrik, er war bis 1994 beruflich tätig. Firmensitz bei der späteren Quelle in der Wandererstr. 105/107 .

In der Langform (Artikel AZ):Den Grundstein für sein beachtliches Vermögen legte er gleich nach dem Krieg. Er machte mit den Papierabfällen, die bei den Nürnberger Prozessen in gewaltigen Mengen anfielen, richtig Geld.

Pfiffig war Kurt Klutentreter schon immer. Weil er auch noch in der Lage war, Sprachen schnell zu lernen, reiste er für seinen Arbeitgeber, eine Bleistiftfirma, schon in jungen Jahren durch die ganze Welt. Als Repräsentant des Unternehmens begriff er auch schnell die Kunst der im Geschäftsleben notwendigen Diplomatie. Das sollte ihm zugute kommen, als er in den unmittelbaren Nachkriegsjahren auf der Suche nach Beschäftigung durch das zerstörte Nürnberg zog. Weil er damals in Muggenhof wohnte, kam er häufig auch am Justizgebäude in der Fürther Straße vorbei. Das änderte sein ganzes Leben.

Mit höchstem Interesse beobachtete er, wie amerikanische Soldaten ganze Papierberge, derer sie kaum Herr wurden, in alten Ölfässern verbrannten. Es waren die Abfallprodukte der Nürnberger Prozesse. Zum einen Teil handelte es sich um Prozessakten. Es gab damals keinen Computer, keinen Drucker. Alle Dokumente wurden von Sekretärinnen mit der Schreibmaschine getippt. Waren Fehler enthalten, musste die Seite samt Durchschlägen neu getippt werden.

Um den Umfang zu verdeutlichen: Allein das Sitzungsprotokoll des Auftaktprozesses umfasste 16.000 Seiten, musste in vier Sprachen übersetzt und in Dutzenden von Ausfertigungen geschrieben werden. Abfall produzierende Fehler en masse waren da gar nicht zu vermeiden. Vergrößert wurde der Papierberg durch die Unmengen von Verpackungsmaterial, die zum Beispiel bei der Versorgung der Tausenden Mitarbeitern anfielen.

Kurt Klutentreter erkannte sofort, dass dieses Papier Gold wert war. Im Nachkriegsdeutschland mit seiner völlig zerstörten Infrastruktur gab es nämlich so gut wie keines. Mit seinen exzellenten Englischkenntnissen, seinen auf internationalem Parkett geschliffenen Umgangsformen und seinem geschäftlich erlangten Verhandlungsgeschick überzeugte er die Amerikaner, die Entsorgung der Papierberge ihm zu überlassen. Er ließ sie zu Pappkartons verarbeiten, die ihm regelrecht aus den Händen gerissen wurden. Es war der Grundstock für seine Firma "Papyrus Wellpappe", die er 1948 gründete - und mit der er viele Millionen verdiente. 

 Das Narrenschiff am Eingang zum Hauptmarkt in Nürnberg ist eine seiner Stiftungen.


Auch der Norisbrunnen im Archivpark geht auf seine Initiative und Finanzierung zurück.


Sein Entwurf  wurde von der Stadt nicht akzeptiert, aber er hat trotzdem das Geld für den bestehenden gegeben. In einer Tafel wurde der Anlass damals dargestellt.


Diese Tafel wurde nach seinem Tod neu gestaltet und der letzte Satz wurde getilgt !!


Jetzt nach Geschmack der Stadt erstellt, er ihm nicht sonderlich gefällt ...

Die Quereleien mit der Stadt sind vorzüglich in einem Film der Medienwerkstatt von Michael Aue im Gespräch mit Klutentreter dargestellt.

Hervorzuheben ist noch, dass er zwei Stadtmauertürme am Maxtor renovieren  und dort Studentenwohnungen einrichten ließ.

Auch für die Errichtung des Krakauerhauses am Tratzenzwinger hat er großzügig gespendet.

Sogar eine Fußgängerbrücke am Luitpoldhain über die Bayernstrasse wurde von ihm gestiftet.

Eine Autobiographie gibt es noch im Antiquariat: 

Im Spätherbst eines Lebens wurde „Kluti" sogar noch berühmt. Seine Eskapaden hinter dem Steuer seines Mercedes 280 E flimmerten über alle Kanäle. Mehrfach wurde er beim Fahren ohne Führerschein erwischt, einmal sogar unmittelbar nach einem Gerichtstermin, bei dem ihm die Fahrerlaubnis erneut entzogen worden war. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass er bei dieser Gelegenheit auf dem Gerichtsparkplatz auch noch den Wagen einer Staatsanwältin kratzte. Gut konnte das nicht gehen. Kurt Klutentreter wurde wegen seiner brillanten Vermögenslage zu einer sechsstellige Geldstrafe verurteilt. Bezahlt hat er sie erst nach einer Mahnung.

Auf alle Fälle war er ein Original !