29.04.20

Buchenbühl heute


Dieses zwischen Autobahn und Flughafen eingezwängte Buchenbühl erfuhr nach dem Krieg zur Zeit des Aufschwungs weitere Bautätigkeit. Gerade im Nordwesten entstanden Einfamilienhäuser und in den anderen Bereichen wurde etwas verdichtet.
Wie lebt es sich dort ? Dazu möchte ich auszugsweise aus einem Artikel der Zeitung zitieren.
In Buchenbühl leben rund 2300 Menschen. 63 Prozent von ihnen sind gebürtige Nürnberger, in der ganzen Stadt der höchste Anteil. So auch Horst und Margit Geuß. Das Ehepaar lebt seit 30 Jahren gemeinsam in Buchenbühl. . In den 1920er Jahren gründeten die ersten Bauherren hier eine kleine Siedlung.

Darunter waren auch die Großeltern von Horst Geuß. Als Wirte übernahmen sie den Saalbau, das große, wuchtige Wirtshaus im Kern des Stadtteils. Hier, vor den Toren der Stadt, gibt es Natur und Grün in Hülle und Fülle. Auch für Horst Geuß war das ein Grund, nie aus Buchenbühl wegzuziehen und sein Elternhaus mit dem großen Garten, das Mutter und Vater in den 1960erJahren bauten, zu übernehmen und kräftig umzubauen.
Das Haus der Geuß‘ ist typisch für Buchenbühl. Ein- und Zweifamilienhäuser machen über 90 Prozent des Bestands in Buchenbühl aus.
Das war damals ein Eldorado. Unser Haus war das zweite in der Straße, sonst waren überall Baulücken", erzählt er. Diese waren aber schnell geschlossen und dabei blieb es bis heute. Denn Buchenbühl wird im Nordosten von der A3, im Südosten von der B2 und im Südwesten vom Airport umschlossen wie von einem engmaschigen Jägerzaun, den es hier allerorten gibt.
Besonders morgens und abends hört man die Turbinen der startenden Flugzeuge aufheulen. Horst Geuß fühlt sich da manchmal etwas eingekreist. Durch die geographische Beschränkung blieb das Viertel über die Jahre so, wie es war. Im Nordosten ist der Wald nah, wunderschöne Radtouren und Spaziergänge könne man hier machen, schwärmt Margit Geuß. Als die Kinder klein waren, konnten sie dort bedenkenlos spielen.
In 20 Prozent der Buchenbühler Haushalte leben heute noch Kinder, der Altersschnitt im Viertel aber schlägt klar nach oben aus. Rund 30 Prozent der Buchenbühler sind über 65 Jahre alt - auch, wenn wieder junge Familien hinaus ins Grüne ziehen.
In Buchenbühl gibt es zudem kaum Bewegung, nur sieben Umzüge auf 100 Einwohner hat das Statistikamt gezählt, in St. Sebald sind es 12 pro hundert Einwohner. Dadurch, dass viele Menschen in Eigenheimen lebten, hätten sie auch keinen Grund aus Buchenbühl wegzuziehen. Auch das Ehepaar Geuß will aus Buchenbühl nicht mehr weg, zu sehr genießt es seinen großen Garten, das gute Miteinander unter Nachbarn, in Vereinen oder der Kirchengemeinde.
Die vertraute Stimmung im Stadtteil zieht auch junge Familien an. Nach dem Tod der alten Besitzer kaufen oft junge Familien die Häuser. "Aber auch die wollen gerne Kontakt", berichtet Margit Geuß. Auch die erwachsene Tochter des Ehepaars möchte bald wieder aus der Innenstadt an den grünen Stadtrand ziehen, wo sie aufgewachsen ist.
Auch wenn Horst Geuß nie weg wollte, sehen er und seine Frau auch die Nachteile, die das Leben ein wenig ab vom Schuss bringt. "Bis ein Krankenwagen da ist, das kann schon mal dauern", sagt er. Gerade das kann für ältere Menschen gefährlich werden. Einen Supermarkt gibt es vor Ort nicht, einen kleinen Laden und ein Bäcker sind noch am Ort, ein Metzgerwagen und die Gemüsefrau kommen immerhin ein paar Mal in der Woche. Aber durch die gute Nachbarschaft und den Zusammenhalt im Viertel lassen sich vielleicht auch diese Defizite etwas abmildern. Denn alles in allem gefällt es ihnen hier so gut wie nirgends sonst.
(Die Gastwirtschaft gibt es noch. Im Saalbau hat sich eine Auktionsfirma etabliert)

Bei meiner Exkursion habe ich am zentralen Platz einen alten Kiosk entdeckt, der nun neu eröffnet ist und ein Angebot von Obst und Gemüse hat. Auch andere Artikel kann man bei der türkischen Betreiberin bekommen.


Zum Lärmschutz: Die Autobahn scheint nicht so zu stören, wobei hier die Erneuerung des Lärmschutzes geplant ist, da sie jetzt 6-spurig ausgebaut ist. Beim Thema Flughafen gibt es seit Jahren eine Bürgerinitiative, die wenigstens ein Nachtflugverbot erreichen will.
Außerdem gibt es eine Initiative gegen die geplante Nordanbindung des Flughafens. Viele Jahren kämpften Umweltschützer und ein Teil der Anwohner gegen den Bau einer Straße mitten durch den Sebalder Reichswald. Sie sollte den Nürnberger Flughafen an die Autobahn A3 anbinden und den Stadtteil Ziegelstein vom Verkehr entlasten. Dazu gibt es einige Presseberichte.
Nachdem die CSU den Oberbürgermeister stellt, der sich gegen dieses Projekt aussprach, scheint damit Schluss zu sein.
Der örtliche Sportverein hatte so seine Schwierigkeiten, eigenständig weiter existieren zu können.
Es wurde auch berichtet, dass durch Änderung von Lärmschutzzonen im Ort nun auf einigen großen Grundstücken nun doch noch reingebaut werden soll.

Ein Blog beschäftigt sich in einem Artikel exemplarisch mit dem Ortsbild. 
Zitat:Auch an der Straße Zum Felsenkeller in Buchenbühl sind die Veränderungen der letzten Jahrzehnte deutlich zu sehen. Die ursprüngliche Gestalt der Siedlung ist aber nach wie vor gut erkennbar, auch deshalb, weil viele Hauseigentümer Rücksicht aufeinander und auf das Alte genommen haben. In der Straße, deren östlichen Point-de-vue der Dorfplatz Am Paulusstein mit dem Uhrturm bildet, wurden ab 1919 zwei Haustypen errichtet: Doppelhäuser mit hohen Satteldächern und Giebeln zur Straße und traufständige Doppelhäuser mit Mansarddächern. Ruff und Schmeißner versahen alle Häuser mit hohen Kellersockeln aus Rotsandstein, die übrigen Mauern wurden verputzt und hell gestrichen. Als Farbtupfer erhielten die Eingänge Rahmungen aus Sandstein mit Reliefs, die in ihrer Schlichtheit dem dörflichen Charakter der Siedlung Rechnung trugen. Die Dachstühle waren von Anfang an ausgebaut und wurden durch Schleppgaubenbänder belichtet. Knapp ein Jahrhundert nach ihrer Erbauung haben sich viele Häuser im Großen wie im Detail gewandelt. Manch ein Haus, etwa die Nr. 2-4, hat einen Anbau erhalten. Nicht selten hat man die Dächer – sie waren ursprünglich samt und sonders mit Biberschwänzen gedeckt – mit anderen Ziegeln (z. B. Frankfurter Pfannen) und in anderen Farben versehen. Haustüren wurden ausgetauscht, Fenster erneuert. Manch Fassade erhielt in den letzten Jahren eine Außendämmung, der leider hin und wieder die schönen Sandsteinrahmungen der Portale zum Opfer fielen. Insgesamt aber bietet die Straße Zum Felsenkeller noch heute ein anschauliches Bild, wie Buchenbühl aussah in jener entbehrungsreichen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als sich unerschrockene Siedler ein neues Leben draußen vor der Stadt aufbauten.


Ich steuere noch bei:

Zum Paulusstein

Kalchreuther Str
fast original

Waldkindergarten erbaut 1935 1963 erweitert

weitere Bilder gibt es hier zu sehen

Ach ja, bei Buchenbühl wurden übrigens um ca. 1834 einige Knochen eines Sauriers entdeckt. Das war der erste Fund in Deutschland.

28.04.20

Buchenbühl bis 1945


Die Bautätigkeit in Buchenbühl (und Loher Moos) wurde 1924 fortgesetzt nachdem sie wegen der Inflation 22 / 23 darniederlag.
1921 noch konnte man in einer „Lehrkolonie“ etwas abgesetzt am östlichen Rand als Experiment einige Häuschen fertigstellen. Hier sollten exemplarisch alternative Bauformen und Baumaterialien getestet werden in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Wärmehaltung. Festgelegt wurde, dass der Plan für alle Häuser genormt ist, aber in der Bauausführung verschieden sein sollte.
Die Systeme waren dann Lehmbau, Lehmstampfbau, Lehmziegelbau, Schlackenbetonsteinbau und Holzbau. Es wurden sogar Geschosskörbe der Armee benutzt, mit verschiedensten Materialien gefüllt und verbaut.

Geschosskörbe:

 Das Experiment brachte keine guten Ergebnisse auch in Bezug zu den Baukosten. Heute ist keines dieser Häuschen mehr im Original zu finden. Die meisten wurden abgerissen oder umgebaut.


Ab 1924 änderte sich die Wohnungsbaupolitik des Siedlungswerks. Es wurden keine
Einfamilienhäuser mehr zur Miete errichtet.
Seit 1920 gab es das Reichsheimstättengesetz.
Die tiefere Idee der Heimstätte liegt darin, dass bei dieser besonderen Form sozialpolitisch gebundenen Eigentums unabhängig von der wirtschaftlichen Situation des selbstnutzenden Eigentümers Grund und Boden und das darauf befindliche Wohnhaus unter allen Umständen dem Zugriff eventueller Gläubiger entzogen bleibt.

D.h. Es wurde nun Eigentum gebaut. Die nun bürgerliche Regierung in München hatte wahrscheinlich auch das Interesse, dass nun eher Beamte und Angestellte in Buchenbühl (und Loher Moos) angesiedelt wurden. Arbeiter konnten sich die nun entstehenden Häuser sowieso nicht leisten.Man musste nämlich einen einmaligen Betrag zahlen und den Rest durch eine Art Miete mit Ratenzahlung abstottern.


1933 wurde das Siedlungswerk auch gleichgeschaltet und Personal ausgetauscht.
Nach vorhandenen Plänen wurde noch einiges dazu gebaut. Jetzt unter dem Namen „Volksheimstätten“. Ob nun Parteimitglieder beim Einzug bevorzugt wurden ist wahrscheinlich, lässt sich aber nicht nachweisen.

In der Igensdorfer Strasse wurden 1934 / 1935 solche Volksheimstätten mit einer Grundfläche von 44 qm errichtet.


Auch militärisch tat sich in Buchenbühl etwas:

Westlich der Bahnlinie entstanden Gebäude für ein Luftgau-Nachrichten-Regiment. Der Flughafen Marienberg war ja ab 1933 eingerichtet. Zuerst als Verkehrsflughafen ab 39 als Fliegerhorst


Nach dem Krieg wurden die meisten Gebäude abgerissen. Nur das ehemalige Offizierskasino steht noch und wird heute als Jugendhotel genutzt.

Dort wo sich andere Anlagen des Regiments befanden gibt es heute eine Schule für Forstwirtschaft und auf dem Militärgelände nördlich wurden nach dem Krieg weiter Siedlerhäuser mit Garten errichtet.


Buchenbühl hat sich bis 1945 also weiter vergrößert (gelbe Markierung)



Im Krieg wurde nicht viel zerstört (eher im Loher Moos). Amerikanische Truppen erreichten Nürnberg zuerst in Buchenbühl am 16.April 1945 und marschierte kampflos weiter nach Ziegelstein und Loher Moos.

Buchenbühl - die Anfänge



Der Nürnberger Stadtteil Buchenbühl (eingemeindet 1922) ist eigentlich ein Idyll umgeben von Wald. Leider ist diese Siedlung eingezwängt zwischen Autobahn A3 und dem Flughafen.




Die Anfänge dieser Siedlung sind zur Zeit der Münchner Räterepublik nach dem 1.Weltkrieg zu finden. Mitten im Wald entstanden Buchenbühl und beim Dorf Ziegelstein die Siedlung Loher Moos.


Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsnot, mangelnde Versorgung und unsichere Zukunft waren für einen Großteil der Bevölkerung die Alltagsprobleme.
Schon um 1900 bekam die Forderung nach menschenwürdigem, hygienischen und naturnahen Wohnen für alle Auftrieb durch die Gartenstadt-Bewegung und die überall neu gegründeten Wohnungsbaugenossenschaften.
1919 ergriff nahe Ziegelstein ein Arbeiter- und Soldatenrat die Gelegenheit beim Schopf, eine neue Siedlung aus dem Boden zu stampfen. Zuerst wurde im Wald eine große Fläche gerodet. Der Arbeiter-und Soldatenrat wollte damit die revolutionäre Stimmung unter den zu tausenden entlassenen Rüstungsarbeitern und Soldaten in sinnvolle Aufbauarbeit lenken.
Dass es dafür keine Genehmigung gab und das Gelände eigentlich der Marktgemeinde Heroldsberg gehörte, spielte in der Not keine Rolle. Die Obrigkeit legalisierte den Coup im Nachhinein, gründete im Mai 1919 das Siedlungswerk Nürnberg als Träger der Unternehmung und nutzte die Großbaustelle auch gleich noch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nach zähem Ringen wurde als geeignete Rechtsform die „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ beschlossen, Anteilseigner waren der Staat Bayern, der Bezirk Mittelfranken und die Stadt Nürnberg. Eine privatwirtschaftliche Rechtsform, selbst die einer Genossenschaft, war der Arbeiterschaft „zu kapitalistisch“.
Mit sehr viel Bildmaterial ausgestattet kann man die Bauphase in dem Buch„100 Jahre Siedlungswerk“ verfolgen. Dokumentiert ist auch, dass es in der Nähe ein Sägewerk errichtet wurde (heute Hahnenbalz) und ein Steinbruch vorhanden war.
1922 kam das Gebiet dann offiziell zur Stadt Nürnberg. Es entstand in den 20er Jahren eine Gartenstadt, die der Architekt Jakob Schmeißner nach sozial orientierten Gesichtspunkten plante. Gemeinschaftseinrichtungen(Schule, Gemeinschaftshaus, Einkaufszentrum) und eine Vielzahl von Grünflächen nahmen dafür einen wichtigen Platz ein.



Seit 1908 gab es die Gräfenbergbahn(Nürnberg Nord-Ostbahnhof – Gräfenberg ) Die Siedlung entstand also östlich der Bahnlinie! Von 1926 bis 1983 gab es einen offiziellen Haltepunkt Buchenbühl. Doch schon vorher war die Bahn wichtig für den Bau, z.B. zum Transport der Arbeitskräfte.

Die Ein- und Mehrfamilienhäuser hatten große Grundstücke, wo die Bewohner Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen und Kleintiere halten konnten.

Der Ursprung (weiß markiert)


Und hier ein Luftbild aus dem Jahr 1922


Deutlich ist das gerodete Areal zu erkennen. Die von Jakob Schmeißner entworfenen Doppelhäuser liegen entlang der „Kalchreuther Straße“ (rechts unten nach links oben) sowie den Straßen „Zum Felsenkeller“ (links) und „Zum Froschbrücklein“ (rechts). In der Mitte der zentrale Platz „Zum Paulusstein“ und rechts noch einige Häuser am „Fuchsweg“.

Charakteristisch für Buchenbühl sind die an Doppelhäuser mit ihren mächtigen Giebeln. Die originelle Zusammenfassung zweier Häuser lässt die erdgeschossigen Gebäude größer wirken als sie sind. Die Anklänge an fränkische Bauernhäuser betonen den ländlichen Charakter der Siedlung.





Heute kann man in diesem Kernbereich noch verschiedene Haustypen sehen, die straßenweise nebeneinander gebaut wurden. Die Straßenführung, die Grünflächen zwischen den Häusern und nicht zuletzt die malerische Architektur, die mit verschiedenen Oberflächenformen und -farben spielte und typische Elemente des ländlichen Bauens aufgriff, sorgten für Abwechslung und dörfliches Flair.
Als erstes Gemeinschaftsgebäude entstand im Scheitelpunkt der Siedlung die »Volkshauptschule«. Am 6. Juni 1921 wurde sie feierlich eingeweiht.
Buchenbühl und auch Loher Moos waren damals von den Einwohnern her sozialdemokratisch und kommunistisch geprägt. Die Bewohner stammten mehrheitlich aus dem Arbeitermillieu.

16.02.20

Das Walberla - Besiedlung und Naturschutz





Durch die besondere Lage und Quellen am Hang war die Ehrenbürg zur Besiedlung in Frühzeiten gut geeignet. Außerdem gab es durch die Nähe der Regnitz eine in der Keltenzeit gute schiffbare Verkehrsverbindung.





Seit der frühen Jungsteinzeit ist eine Besiedlung der Ehrenbürg durch Keramikfunde belegt, die sich mit Unterbrechungen bis ins 5.Jahrhundert n.Chr. nachweisen lässt.
Während des 13. vorchristlichen Jahrhunderts war der Berg mit einer spätbronzezeitlichen Steinmauer zu einer stark befestigten, großen Zentralsiedlung ausgebaut worden.
In der Frühlatènezeit (480–380 v.Chr.) wurde auf dem Hochplateau abermals eine 36 ha große, stadtähnliche Anlage mit einer mächtigen Steinmauer (Rekonstruktion vor Ort) errichtet. Durch Ausgrabungen und Magnetometerprospektionen konnten etwa 20.000 Kellergruben nachgewiesen werden, die auf eine dichte Besiedlung dieser frühen Stadt schließen lassen. Der von Schlaifhausen zum antiken Tor heraufführende Weg diente sowohl als Zufahrt zu der Befestigung in der späten Bronzezeit sowie der in der Frühlatènezeit und ist somit wahrscheinlich die älteste Fahrstraße Oberfrankens.
Bei dem zusätzlich befestigten südlichen Teil Rodenstein handelte es sich wohl um die Akropolis dieser Siedlung. Archäologische Funde belegen, dass die frühkeltische Zentralsiedlung Kontakte bis in den mediterranen Raum hatte (Ausstellung im Pfalzmuseum Forchheim).
Die Ehrenbürg war zu dieser Zeit ein politisches und wirtschaftliches Zentrum, dessen Einfluss weit über die Region hinausreichte. Die mächtige Siedlung wurde zu Anfang des 4. vorchristlichen Jahrhunderts wie alle anderen gleichzeitigen Befestigungen Oberfrankens verlassen. Das hängt sehr wahrscheinlich mit den historisch belegten Keltenwanderungen gen Süden in Zusammenhang, die wohl von Klimaveränderungen verursacht wurden.

Plan der Keltensiedlung


Lage Grabungsfläche


Rekonstruierte Wallanlage


Kellergruben




Wegen dem auf dem Bergrücken vorhandenen Trockenrasen und der seltenen Pflanzen wurde das Walberla unter Naturschutz gestellt.



Man hat einigermaßen erfolgreich versucht, den Fußgängerverkehr durch Geländer und Steinmarkierungen auf Wege zu kanalisieren.






Es herrscht Kletterverbot am Walberla und am Rodenstein dürfen keine neue Routen mehr eröffnet werden.
Gleitschirmfliegen ist nur noch für Vereinsmitglieder des NDBF möglich unter hohen Auflagen.


Ja und dann gibt es diesen Ausreißer :



An jedem 1. Mai, im Anschluss an die Walpurgisnacht, findet das Walberlafest statt. Es gilt als das älteste Frühlingsfest Deutschlands und war ursprünglich ein Opferfest für den germanischen Gott Wodan. Später wurde daraus ein Fest zu Ehren der Walburga, zu dem schon seit dem 9. Jahrhundert Menschen pilgerten.Die katholische Sankt-Walburgis-Kapelle, die für den Berg namensgebend ist wurde im 17.Jahrhundert erbaut .
Tradition schlägt Naturschutz ...

In einem schönen Artikel des Alpenvereins Erlangen wird unter anderem beschrieben was Archäologen im Jahr 4000 erläutern könnten:
Gedankenreise in die Zukunft

Begleiten sie uns bei einer Gedankenreise in die Zukunft. Was werden unsere Nachkommen in 2000 Jahren darüber wissen und verstehen, wie wir mit der Ehrenbürg und ihrer Umgebung umgegangen sind?
Das Plateau der Ehrenbürg selbst war zu dieser Zeit (1900 bis 2100 n.Chr.), die man auch als„Individualmobilzeit“ einordnet, nicht besiedelt. Jedoch gab es mehrere kleinere Ortschaften am
Fuß der Ehrenbürg. Das Plateau wurde nur geringfügig zum Ackerbau genutzt. Aus Holz- und
Samenfunden lässt sich schließen, das Obstanbau von Kirsche, Apfel, Birne und Zwetschge an den
Südwestlich bis Südöstlich exponierten Hängen dominierte. Offenbar wurden die Früchte zu
Alkohol destilliert, was die vielfachen Kesselfunde sowohl in verzinkter als auch in kupferner Ausführung in den umliegenden Ortschaften belegen könnten. Die Vegetation und Bebauung hat sich an der Ehrenbürg im Gegensatz zur Umgebung über viele Jahrhunderte lang kaum verändert. Pollenfunde am Rodenstein wurden zu den seltenen Gewächsen der sogenannten Orchideen zugeordnet die seit langem ausgestorben sind. Bei Grabungen auf der Nordöstlichen Erhöhung wurden Fundamente entdeckt, die zu einer ehemaligen Kapelle passen könnten. In diesem Bereich gibt es auch viele Flaschen- und Glasscherbenfunde aus dieser Zeit. Wissenschaftler vermuten dass dieser Platz zur Ausübung von bedeutenden kulturellen Handlungen verwendet wurde.
An den Felsen des Rodenstein finden wir Reste von Eisenhaken und klare Abnutzungsspuren am Gestein entlang der durch diese Haken gebildeten vertikalen Linien. In einem Felsspalt wurde ein kleiner legierter Eisenkeil mit Drahtschlinge entdeckt. Es kann fast ausgeschlossen werden, dass diese Haken als Lastenaufzüge zum Materialtransport angelegt und verwendet wurden. In der Individualmobilzeit waren die Wege auf die Ehrenbürg gut ausgebaut und die Gipfel für die Bewohner der Umgebung gut erreichbar. Neuere wissenschaftliche Hypothesen gehen eher von einer Art Kulthandlung aus, bei der entlang der Haken vom Wandfuß zum Gipfel geklettert wurde.Über die genaue Technik, die Beweggründe und den partizipierenden Personenkreis können wir heute nur noch spekulieren: Waren es Mutproben oder Wettkämpfe? Wurden Opferrituale durchgeführt oder fand eine besondere Form der Gottesanbetung statt? Waren die „Kletterer“auserwählte Personen aus der direkten Umgebung? Bei Ausgrabungen wurden am Fuß der Ehrenbürg mehrere befestigte, geschotterte und geteerte Plätze aufgedeckt. Hier sind wohl Menschen mit ihren Individualmobilen zusammengekommen.Eine offene Frage ist, ob und wie diese Zusammenkunft mit den Kultplätzen und Kulthandlungen am Gipfel des Walberla und an den Felswänden des Rodenstein zusammenhängt.

Herrlich!
Besonders reizvoll ist es in der Umgebung während der Obstbaumblüte .




Ich persönlich bevorzuge den Aufstieg von Leutenbach her, der zwar anstrengender ist, aber steil durch wilden Wald mit steilen Felsformationen und an zwei Höhlen vorbei führt. Oben kommt man dann auf schmalem Pfad durch ein Heckengebiet und hat dann einen herrlichen stillen Rastplatz . 


Von dort aus kann man dann die Leute auf der anderen Seite beobachten, die fast wie Lemminge auf dem Hauptweg marschieren. Und man riecht (sogar im Winter) Kräuter wie den Wilden Majoran oder den Wilden Rosmarin, die es neben anderen Pflanzen dort noch gibt, da sie noch nicht platt getreten sind....


Ein Zeugenberg - das "Walberla"


Wenn die Franken von ihrem Berg sprechen, so reden sie im Volksmund über das "Walberla", dem markanten Tafelberg östlich von Forchheim. Die richtige Name des Bergmassives ist aber "Ehrenbürg".
Die "Ehrenbürg" besteht aus dem 532 m hohen Rodenstein und dem 512 m hohen Walberla, das von einer im 17. Jahrhundert gebauten Kapelle gekrönt wird.
Das Walberla steht markant mit seinem Gipfelplateau in der sonst eher flachen Landschaft. Die Anhöhe ist ein Zeugenberg, weil sie als ein Einzelberg abgetrennt von weiteren Gebirgsformationen ist. 
Von der anderen Talseite der Wiesent erkennt man die Einzellage ganz gut: Blickrichtung Süd !
Hier als Karte:



In einem interessanten Bericht wird über die Entstehung dieses Zeugenbergs diskutiert.

Wenn man sich die folgende geologische Skizze ansieht, sind als schwarze Linien sogenannte Verwerfungen eingetragen.


Eine Verwerfung (auch Bruch, Sprung, Verschiebung oder Störung im engeren Sinne) ist eine tektonische Zerreiß- oder Bruchstelle im Gestein, die über Distanzen vom Zentimeterbereich bis zu einigen Dutzend bis hundert Kilometern zwei Gesteinsbereiche oder Krustenteile gegeneinander versetzt.

Diese Gesteinsbereiche werden Bruchflügel, Blöcke oder Schollen genannt. Den Versatz bezeichnet man als Sprunghöhe bzw. Sprungweite. Während der Überbegriff Störung im weiteren Sinn auch verschiedene Arten plastischer Verformung mit einschließen kann, wird als Verwerfung nur das Resultat einer bruchhaften Verformung bezeichnet. Die entsprechende Tektonik wird als Bruchtektonik bezeichnet. Verwerfungen sind daher stets im obersten Teil der Erdkruste entstanden. Die Schnittlinie einer Verwerfung mit der Geländeoberfläche bzw. der Oberfläche des anstehenden Gesteins wird als Störungslinie, Bruchlinie oder Verwerfungslinie bezeichnet.


Zwischen dem Walberla und der Schicht des Frankenjuras gab es also eine Bruchzone, die heute durch das Tal des Ehrenbachs gebildet wird. Im Bild rechts Leutenbach (Sicht nach Ost)




Wenn man sich das folgende Luftbild anschaut (hier von Wiesenthau Richtung Leutenbach aufgenommen – also West nach Ost) erkennt man gut die Reste von Riffkuppeln aus Dolomitgestein sehen, die Früher waren diese Ablagerungen von Muscheln im Jurameer viel mächtiger und höher. Durch Verwitterung blieben nun nur noch einzelne Felsen zurück.





Und so gibt es heute zwischen dem Rodenstein und dem Walberla auf der Ehrenbürg diese reizvolle Senke (vom Rodenstein aus gesehen)


oder von Kunreuth aus gesehen:



Auf dieser geologischen Karte kann man noch einige Zeugenberge der Frankenalb entdecken:


19.01.20

Das Erdmittelalter spricht


Unsere Gegend (Franken und Oberpfalz) ist ein Fundort der besonderen Art.

Im Erdmittelalter (vor ca. 250 Millionen Jahren bis vor ca. 66 Millionen Jahren ) entstanden aus dem Urkontinent Pangaea die Kontinente …
Klimaveränderungen, geologische Prozesse wie Vulkanismus, Erosion und Bildung von Binnenmeeren führten dazu, dass sich auch in unserer Gegend verschiedene Sedimente ablagerten, die z.B. durch ihre Schichtung zu Gestein gepresst wurden.
Die wichtigsten Ablagerungsschichten sind nach Abschnitten des Mesozoikums benannt; es sind in der Reihenfolge ihres Alters Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Schwarzer Jura, Brauner Jura und Weißer Jura.
Vor ca. 30 Millionen Jahren bildete sich durch Kräfte aus dem Erdinneren der Oberrheingraben, was dann riesige Auswirkungen auf Mitteleuropa hatte.


Östlich des Rheins entstand das Fränkische Schichtstufenland.



Schichtstufenlandschaften stellen das Ergebnis eines geologischen Prozesses dar, der Millionen Jahre umfasst und bis heute andauern kann. Charakteristisch für eine Schichtstufenlandschaft ist der Wechsel zwischen Steilhängen (Schichtstufen) und weitgespannten Ebenheiten (Stufenflächen).
Eine Schichtstufenlandschaft entsteht, wenn Schichtpakete morphologisch harter und weicher Gesteine flach geneigt sind und ungleich abgetragen werden. Morphologisch hart sind die wasserdurchlässigen Gesteine wie Kalk und Sandstein. Sie bilden Steilstufen. Morphologisch weich sind die wasserundurchlässigen Gesteine wie Sandsteine mit tonigem Bindemittel, Mergel und Schiefer. Sie bilden die sanfteren Böschungen unterhalb der Steilstufe und die Stufenflächen, die zur nächsten Stufe überleiten. Die harte Schicht wird langsamer abgetragen als die darunter liegende weiche, die schneller verwittert. Dadurch wird die harte Schicht unterhöhlt und bricht nach. Es entsteht eine Kante, die immer weiter zurückwandert (rückschreitende Erosion). Wenn dadurch die nächste harte Schicht freigelegt wurde ereignet sich dort mit der wiederum darunterliegenden weicheren Schicht das gleiche. Die nächste Stufe entsteht.


Durch Erosionsprozesse sind also an den westlichen Rändern stärkere Hangabfälle entstanden. Bäche und Flüsse haben sich ihren Weg gebahnt – teilweise mäandernd , teilweise in engen Tälern. Spätere Sand- oder auch Lößablagerungen in den Eiszeiten formten weiter die Landschaft.

Hat man die steilen Hänge überwunden kommt man auf sanft-hügelige Hochebenen.


Die Landschaft ist  sehr vielfältig.

Da die einzelnen Erdschichten sich in Jahrmillionen durch Ablagerungen gebildet haben, gibt es hier z.B. im Keuper nochmals unterschiedliche Vorkommen in der Färbung, der Härte, der Reaktionsfreudigkeit mit Mineralien.
Der entstehende Boden begünstigt so bestimmte Vegetationsformen. Der Mensch hat in Jahrhunderten daraus Kulturland geformt und ist damit oft recht klug umgegangen. Es sind kleinräumige bäuerliche Wirtschaftsbetriebe entstanden: Hutanger, Streuobstwiesen, von Hecken bewachsene Lesesteinwälle, weite Hangbuchenwälder, Talauen kann man oft noch sehen, denn die gesichtslose Flurbereinigungsorgie der 60-er und 70-er Jahre konnte nicht überall zuschlagen. Besonders Hänge und engere Täler wurden verschont. 
Verkehrsprojekte, Zersiedlung und weitere Erfordernisse des modernen Lebens führten zu kaum mehr rückgängig zu machende Eingriffe.
Ich persönlich hoffe, dass ich weiterhin meine Refugien finde .... (auch wenn es immer schwieriger wird)

Die Vielfalt zeigt sich dann auch in den Baumaterialien der Anwesen. Meist benutze man Gestein, das es in der Nähe gab – es war dann oft stilbildend. Der gelbliche oder gräuliche Sandstein der Maingegend unterscheidet sich stark vom rötlich-braunen in Mittelfranken. Im Freilandmuseum Bad Windsheim kann man die verschiedensten Regionen Frankens auch unter diesem Aspekt erkunden.


Mal sehen, was noch alles in Museen und Depots wandern wird ...