16.07.20

Am Wöhrder See

Kindheitserinnerungen:
Mein Schwimmbad war der Pulversee. Ein etwas trüber Weiher, der eine unterirdische Verbindung zur Pegnitz hatte. Sogar ein mit durch schwimmende Balken abgetrenntem Nichtschwimmerbecken ! Großzügige Liegewiesen und riesige Bäume. Zum Westen hin gab es noch Bauernwiesen und weidende Pferde. Die Pegnitz mäandernde durch das Tal und schoß bei der Feuerwehr und im zerbombten Wöhrd durch Wehre.
1967 und 1968 wurde der See langsam zugeschüttet und es entstanden die modernen Sportanlagen von Bayer 07 .
Wir von der Ostendstraße sind dann entweder ins Stadionbad oder ins Naturgarten ...

Auf diesem Photo kann man noch den Badesteg erkennen und die betonierte Plattform beim Einstieg in den See - beliebter Anlauf für die Arschbomben ...


Dieser Rest ist dann auch noch verschwunden:


Auf einer historischen Karte kann man ganz gut den Verlauf der Pegnitz mit ihren Nebenarmen, den See und das alte Pulvermagazin sehen.


Auf den Grundmauern des Magazins wurde nach dem Krieg das Loni-Übler-Heim gebaut. Ein Lehrlingswohnheim und auch mein Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt.


Heute ist dort ein Kulturladen ...

Von 1968 bis 1972 wurde auch das Norikus gebaut. Ich kann mich noch gut an die zerbombte Zeltnerbrauerei erinnern, die vorher dort stand. Hier noch intakt:


Auf dem Schlot, der 69 gesprengt wurde, nisteten Störche...


Von der Eisenbahnbrücke beim Pulversee verlief damals bis Mögeldorf  der Johann-Sörgel-Weg durch die Wiesen. Verstreut gab es immer wieder mit Regenwasser gefüllte und mit Weidenbüschen umstandene Bombentrichter. Ideal zum "Lagerle"-Bauen. Mindestens einmal im Jahr war alles überschwemmt.
Am Fuß des Mögeldorfer Kirchbergs war damals noch die Satzinger Mühle in Betrieb.


Auch aus Gründen des Hochwasserschutzes wurde langsam der heutige Wöhrder See aufgestaut.
Hier ein kurzer Bericht.
Den heutigen Zustand des Stausees mit viel Grün an den Ufern kann man von Mögeldorf bis Wöhrd in einem durch Fotos unterstützten "Spaziergang" verfolgen.
Über die Entstehung des Sees gibt es hier eine Bildstrecke.

Ich war erst vor kurzem an der Badebucht und dem neuen Spielplatz unterhalb des Norikus an der Wasserwelt. Unter der Woche geht es ruhig zu und ist zum Ausspannen zu empfehlen ...




Ergänzung: Leider gibt es speziell in der Nacht Belästigungen, die mit hohem Aufwand eingegrenzt werden müssen ....

23.06.20

Schleuse 64

Das nette Schleusenhäuschen mit Garten und großer Wiese kenn ich schon länger. Es fiel mir auf, weil das Gedicht Desiderata in Ton geritzt  am Gartenzaun hing, daneben ein bunter Briefkasten und die Mitteilung, dass man dort für die Mieterin (?) gern eine schriftliche Mitteilung hinterlassen kann. Antwort wird garantiert.


Ich hab etwas eingeworfen, aber nie eine Antwort bekommen ....
Im März 2017 war ich wieder dort und hab über den Gartenzaun geschaut. Da hat sich etwas verändert:


Und als ich jetzt (Juni 20) wieder vorbei radelte, sah alles recht lebendig und interessant aus.





Die Mieterin (?) heißt Birgit Hoffman und hat leider nur eine facebook-Seite. Vielleicht treff ich die Künstlerin mal und kann mich mit ihr unterhalten ....



Über die Schleuse 64 und den alten Ludwigskanal hat  übrigens ein Hans Grüner gut recherchierte Beiträge mit vielen Fotos auf seiner Website erstellt. Chapeau !

Ein anderes "Kanalereignis" ist hier zu sehen .

22.05.20

Valznerweiher


Den Valznerweiher kenne ich schon aus meiner Jugendzeit. Zabo und das alte Clubgelände an der Siedlerstr. waren oft besuchte Orte.

Der Zu- und Abfluss des Gewässers, also Fisch- und Goldbach, waren einst wichtige Lebensadern der Stadt Nürnberg. Ihr mitgeführtes Wasser trieb Mühlen und Hammerwerke an.

Der Weiher selbst und seine Zu- und Abläufe sind saniert worden.
Zulauf des Fischbachs:

Auf dem jetzigen Gelände des 1.FCN (gegenüber des Valznerweihers) war während der
Reichparteitage die KDF-Stadt aufgebaut. Eine Tafel am Weiher informiert darüber.

Auch die Gaststätte auf der Insel des großen Valznerweihers zeigt sich erneuert.


Die Insel hat eine lange Tradition als Ausflugsmöglichkeit für die Nürnberger. Bereits Mitte des 19.Jahrhunderts hat hier ein Fabrikant Weber eine Wirtschaft betrieben. Man konnte damals dort eine Kahnpartie machen . Später mussten sich die Wirte noch mehr an Unterhaltung einfallen lassen. 1902 hat man als besondere Attraktion eine Wasserrutschbahn aufgebaut. Von einem kleinen Turm konnte man mit einem Kahn in den Weiher hinunter rutschen.


Der Valznerweiher war bis zum Ausbruch des 2.Weltkriegs bewirtschaftet. Nach dem Krieg nutzten die Amerikaner das Restaurant als Club bis es Anfang der 50er Jahre zurück an die Stadt ging. Es wurde von verschiedenen Pächtern betrieben. Im Jahr 2000 verkaufte die Stadt das Anwesen.

Gleich nebenan gibt es noch den kleinen Valznerweiher. Für mich berühmt berüchtigt, da ich dort beim Versuch des Schlittschuhlaufens meine einzigen Winterstiefel ruiniert habe …



Das Waldgebiet in der Umgebung ist ideal zum Spazierengehen und Radeln. Richtung Fischbach kann man an der Russenwiese vorbeikommen.




Der Name „Russenwiese“ bürgerte sich nach dem 1.Weltkrieg ein, nachdem dort während des Krieges ein Lager für russische Kriegsgefangene errichtet worden war.
Etwa zwanzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden zur Zeit der Reichsparteitage große Zeltlager für die Teilnehmer der Werkschar eingerichtet.
Ein Bericht der Feuerschutzpolizei von 1939 nennt für das Lager Russenwiese in der Zeit vom 5. bis 12. September 1938 24.000 Mann Belegung.
Im Zweiten Weltkrieg waren dort bis zu 2.000 Zwangsarbeiter, vorwiegend aus Osteuropa, in einem provisorischen Zeltlager untergebracht. Die Häftlinge lebten dort unter Bedingungen, die denen in den Konzentrationslagern vergleichbar waren. Auch das Nürnberger "Arbeitserziehungslager" befand sich vom Oktober 1942 bis zu seiner Zerstörung bei einem Luftangriff im August 1943 auf dieser Wiese.
1943 infizierten sich 200 Gefangene mit der Hahnenfußpflanze, in der Hoffnung, als Kranke in die Heimat zurückgeschickt zu werden. Diese Sabotageaktion wurde jedoch verraten und alle Infizierten in Konzentrationslager eingeliefert. Fünf "Rädelsführer" wurden inmitten des Lagers öffentlich erhängt. Deswegen wurde u.a.Paul Ohler nach dem Krieg vor dem OLG Nürnberg zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach der Bombardierung 1943 wurde das "Arbeitserziehungslager" nach Langenzenn ausgelagert.

Noch eine Sache fand ich interessant. Erst letzthin entdeckte ich im Wald Richtung Fischbach einige parallel verlaufende Hügelketten. Recherche ergab, dass das Reste von Trümmerschutt sind. Jetzt ist das Ganze natürlich von Vegetation bedeckt …


In der unmittelbaren Nachkriegszeit gab es die Trümmerbahn in Nürnberg
Aus einer anderen Quelle:
Vom Herzen der zerbombten Altstadt, dem Hauptmarkt, führte eine eingleisige Hauptstrecke bis hinaus bis in den Vorort Fischbach. Dort hatte man ein Waldstück als Schuttabladeplatz ausgewiesen. Der Schienenstrang verließ die Stadtmauern am Kasemattentor, führte am Prinzregentenufer entlang, um am Wöhrder Talübergang die Pegnitz, auf einer eigens errichteten Eisenträgerbrücke, zu überqueren. Nach dem Dürrenhoftunnel bog die Linie links in die Regensburger Straße ein, wo sie wenig später die Zufahrtsgleise zum Straßenbahndepot St. Peter kreuzte. In Höhe der Breslauer Straße bog die Strecke Richtung Fischbach ab. Es gab an verschiedenen Stellen auch Ausweichgleise um Gegenzüge passieren zu lassen. Bei Steigungen, wie etwa am bereits erwähnten Tunnel, mussten manchmal zusätzliche Schiebeloks nachhelfen.
Der Trümmerschutt wurde am Abladeplatz gleichmäßig verteilt. Um dies zu gewährleisten änderte sich der Gleisplan häufig – durch das bereits angelieferte Material entstanden "Entladerampen. Die Schuttbahn verfügte auch über ein eigenes Bahnbetriebswerk auf dem heutigen FCN-Gelände. Etwa 18 Loks sollen es gewesen sein die dort gewartet und mit Wasser und Kohle versorgt wurden. 

Eine Sache gibt es auch noch: DasGelände der ehemaligen Strafanstalt am Holzweiher. Abgezäunt und zugewachsen …

Von dort Richtung Valznerweiher wird das Gelände immer sumpfiger, aber interessant:



Gehen wir aber nochmals in die Vergangenheit des Valznerweihers zurück. Bis anfangs des 19. Jh. warteten auf die Nürnberger hier besondere kulinarische Genüsse. Wenn man jetzt an Karpfen denken, dann liegt man falsch. Hier wurden Vögel aufgetischt! Auf der Insel des Valznerweihers standen nämlich Vogelherde, von denen es hier im Osten rund um den Schmausenbuck eine große Anzahl gab. Es waren eben nicht nur die Italiener auf der Jagd nach Singvögeln, sondern auch für die Nürnberger war der Vogelfang ein Freizeitvergnügen und eine Erwerbsquelle.
Vorzugsweise stellte man den wohlschmeckenden Krammetsvögeln (Wacholderdrosseln) nach. Eine Besonderheit für die Nürnberger war der Fang der Heidelerchen. Die Vogelherde rund um den Schmausenbuck hatten einen großen Zulauf von Nürnberger Bürgern, die sich hier die gebratenen Vögel aus erster Hand kauften und dazu einen guten Trunk kredenzt bekamen.  
(Quelle)


29.04.20

Buchenbühl heute


Dieses zwischen Autobahn und Flughafen eingezwängte Buchenbühl erfuhr nach dem Krieg zur Zeit des Aufschwungs weitere Bautätigkeit. Gerade im Nordwesten entstanden Einfamilienhäuser und in den anderen Bereichen wurde etwas verdichtet.
Wie lebt es sich dort ? Dazu möchte ich auszugsweise aus einem Artikel der Zeitung zitieren.
In Buchenbühl leben rund 2300 Menschen. 63 Prozent von ihnen sind gebürtige Nürnberger, in der ganzen Stadt der höchste Anteil. So auch Horst und Margit Geuß. Das Ehepaar lebt seit 30 Jahren gemeinsam in Buchenbühl. . In den 1920er Jahren gründeten die ersten Bauherren hier eine kleine Siedlung.

Darunter waren auch die Großeltern von Horst Geuß. Als Wirte übernahmen sie den Saalbau, das große, wuchtige Wirtshaus im Kern des Stadtteils. Hier, vor den Toren der Stadt, gibt es Natur und Grün in Hülle und Fülle. Auch für Horst Geuß war das ein Grund, nie aus Buchenbühl wegzuziehen und sein Elternhaus mit dem großen Garten, das Mutter und Vater in den 1960erJahren bauten, zu übernehmen und kräftig umzubauen.
Das Haus der Geuß‘ ist typisch für Buchenbühl. Ein- und Zweifamilienhäuser machen über 90 Prozent des Bestands in Buchenbühl aus.
Das war damals ein Eldorado. Unser Haus war das zweite in der Straße, sonst waren überall Baulücken", erzählt er. Diese waren aber schnell geschlossen und dabei blieb es bis heute. Denn Buchenbühl wird im Nordosten von der A3, im Südosten von der B2 und im Südwesten vom Airport umschlossen wie von einem engmaschigen Jägerzaun, den es hier allerorten gibt.
Besonders morgens und abends hört man die Turbinen der startenden Flugzeuge aufheulen. Horst Geuß fühlt sich da manchmal etwas eingekreist. Durch die geographische Beschränkung blieb das Viertel über die Jahre so, wie es war. Im Nordosten ist der Wald nah, wunderschöne Radtouren und Spaziergänge könne man hier machen, schwärmt Margit Geuß. Als die Kinder klein waren, konnten sie dort bedenkenlos spielen.
In 20 Prozent der Buchenbühler Haushalte leben heute noch Kinder, der Altersschnitt im Viertel aber schlägt klar nach oben aus. Rund 30 Prozent der Buchenbühler sind über 65 Jahre alt - auch, wenn wieder junge Familien hinaus ins Grüne ziehen.
In Buchenbühl gibt es zudem kaum Bewegung, nur sieben Umzüge auf 100 Einwohner hat das Statistikamt gezählt, in St. Sebald sind es 12 pro hundert Einwohner. Dadurch, dass viele Menschen in Eigenheimen lebten, hätten sie auch keinen Grund aus Buchenbühl wegzuziehen. Auch das Ehepaar Geuß will aus Buchenbühl nicht mehr weg, zu sehr genießt es seinen großen Garten, das gute Miteinander unter Nachbarn, in Vereinen oder der Kirchengemeinde.
Die vertraute Stimmung im Stadtteil zieht auch junge Familien an. Nach dem Tod der alten Besitzer kaufen oft junge Familien die Häuser. "Aber auch die wollen gerne Kontakt", berichtet Margit Geuß. Auch die erwachsene Tochter des Ehepaars möchte bald wieder aus der Innenstadt an den grünen Stadtrand ziehen, wo sie aufgewachsen ist.
Auch wenn Horst Geuß nie weg wollte, sehen er und seine Frau auch die Nachteile, die das Leben ein wenig ab vom Schuss bringt. "Bis ein Krankenwagen da ist, das kann schon mal dauern", sagt er. Gerade das kann für ältere Menschen gefährlich werden. Einen Supermarkt gibt es vor Ort nicht, einen kleinen Laden und ein Bäcker sind noch am Ort, ein Metzgerwagen und die Gemüsefrau kommen immerhin ein paar Mal in der Woche. Aber durch die gute Nachbarschaft und den Zusammenhalt im Viertel lassen sich vielleicht auch diese Defizite etwas abmildern. Denn alles in allem gefällt es ihnen hier so gut wie nirgends sonst.
(Die Gastwirtschaft gibt es noch. Im Saalbau hat sich eine Auktionsfirma etabliert)

Bei meiner Exkursion habe ich am zentralen Platz einen alten Kiosk entdeckt, der nun neu eröffnet ist und ein Angebot von Obst und Gemüse hat. Auch andere Artikel kann man bei der türkischen Betreiberin bekommen.


Zum Lärmschutz: Die Autobahn scheint nicht so zu stören, wobei hier die Erneuerung des Lärmschutzes geplant ist, da sie jetzt 6-spurig ausgebaut ist. Beim Thema Flughafen gibt es seit Jahren eine Bürgerinitiative, die wenigstens ein Nachtflugverbot erreichen will.
Außerdem gibt es eine Initiative gegen die geplante Nordanbindung des Flughafens. Viele Jahren kämpften Umweltschützer und ein Teil der Anwohner gegen den Bau einer Straße mitten durch den Sebalder Reichswald. Sie sollte den Nürnberger Flughafen an die Autobahn A3 anbinden und den Stadtteil Ziegelstein vom Verkehr entlasten. Dazu gibt es einige Presseberichte.
Nachdem die CSU den Oberbürgermeister stellt, der sich gegen dieses Projekt aussprach, scheint damit Schluss zu sein.
Der örtliche Sportverein hatte so seine Schwierigkeiten, eigenständig weiter existieren zu können.
Es wurde auch berichtet, dass durch Änderung von Lärmschutzzonen im Ort nun auf einigen großen Grundstücken nun doch noch reingebaut werden soll.

Ein Blog beschäftigt sich in einem Artikel exemplarisch mit dem Ortsbild. 
Zitat:Auch an der Straße Zum Felsenkeller in Buchenbühl sind die Veränderungen der letzten Jahrzehnte deutlich zu sehen. Die ursprüngliche Gestalt der Siedlung ist aber nach wie vor gut erkennbar, auch deshalb, weil viele Hauseigentümer Rücksicht aufeinander und auf das Alte genommen haben. In der Straße, deren östlichen Point-de-vue der Dorfplatz Am Paulusstein mit dem Uhrturm bildet, wurden ab 1919 zwei Haustypen errichtet: Doppelhäuser mit hohen Satteldächern und Giebeln zur Straße und traufständige Doppelhäuser mit Mansarddächern. Ruff und Schmeißner versahen alle Häuser mit hohen Kellersockeln aus Rotsandstein, die übrigen Mauern wurden verputzt und hell gestrichen. Als Farbtupfer erhielten die Eingänge Rahmungen aus Sandstein mit Reliefs, die in ihrer Schlichtheit dem dörflichen Charakter der Siedlung Rechnung trugen. Die Dachstühle waren von Anfang an ausgebaut und wurden durch Schleppgaubenbänder belichtet. Knapp ein Jahrhundert nach ihrer Erbauung haben sich viele Häuser im Großen wie im Detail gewandelt. Manch ein Haus, etwa die Nr. 2-4, hat einen Anbau erhalten. Nicht selten hat man die Dächer – sie waren ursprünglich samt und sonders mit Biberschwänzen gedeckt – mit anderen Ziegeln (z. B. Frankfurter Pfannen) und in anderen Farben versehen. Haustüren wurden ausgetauscht, Fenster erneuert. Manch Fassade erhielt in den letzten Jahren eine Außendämmung, der leider hin und wieder die schönen Sandsteinrahmungen der Portale zum Opfer fielen. Insgesamt aber bietet die Straße Zum Felsenkeller noch heute ein anschauliches Bild, wie Buchenbühl aussah in jener entbehrungsreichen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als sich unerschrockene Siedler ein neues Leben draußen vor der Stadt aufbauten.


Ich steuere noch bei:

Zum Paulusstein

Kalchreuther Str
fast original

Waldkindergarten erbaut 1935 1963 erweitert

weitere Bilder gibt es hier zu sehen

Ach ja, bei Buchenbühl wurden übrigens um ca. 1834 einige Knochen eines Sauriers entdeckt. Das war der erste Fund in Deutschland.

28.04.20

Buchenbühl bis 1945


Die Bautätigkeit in Buchenbühl (und Loher Moos) wurde 1924 fortgesetzt nachdem sie wegen der Inflation 22 / 23 darniederlag.
1921 noch konnte man in einer „Lehrkolonie“ etwas abgesetzt am östlichen Rand als Experiment einige Häuschen fertigstellen. Hier sollten exemplarisch alternative Bauformen und Baumaterialien getestet werden in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Wärmehaltung. Festgelegt wurde, dass der Plan für alle Häuser genormt ist, aber in der Bauausführung verschieden sein sollte.
Die Systeme waren dann Lehmbau, Lehmstampfbau, Lehmziegelbau, Schlackenbetonsteinbau und Holzbau. Es wurden sogar Geschosskörbe der Armee benutzt, mit verschiedensten Materialien gefüllt und verbaut.

Geschosskörbe:

 Das Experiment brachte keine guten Ergebnisse auch in Bezug zu den Baukosten. Heute ist keines dieser Häuschen mehr im Original zu finden. Die meisten wurden abgerissen oder umgebaut.


Ab 1924 änderte sich die Wohnungsbaupolitik des Siedlungswerks. Es wurden keine
Einfamilienhäuser mehr zur Miete errichtet.
Seit 1920 gab es das Reichsheimstättengesetz.
Die tiefere Idee der Heimstätte liegt darin, dass bei dieser besonderen Form sozialpolitisch gebundenen Eigentums unabhängig von der wirtschaftlichen Situation des selbstnutzenden Eigentümers Grund und Boden und das darauf befindliche Wohnhaus unter allen Umständen dem Zugriff eventueller Gläubiger entzogen bleibt.

D.h. Es wurde nun Eigentum gebaut. Die nun bürgerliche Regierung in München hatte wahrscheinlich auch das Interesse, dass nun eher Beamte und Angestellte in Buchenbühl (und Loher Moos) angesiedelt wurden. Arbeiter konnten sich die nun entstehenden Häuser sowieso nicht leisten.Man musste nämlich einen einmaligen Betrag zahlen und den Rest durch eine Art Miete mit Ratenzahlung abstottern.


1933 wurde das Siedlungswerk auch gleichgeschaltet und Personal ausgetauscht.
Nach vorhandenen Plänen wurde noch einiges dazu gebaut. Jetzt unter dem Namen „Volksheimstätten“. Ob nun Parteimitglieder beim Einzug bevorzugt wurden ist wahrscheinlich, lässt sich aber nicht nachweisen.

In der Igensdorfer Strasse wurden 1934 / 1935 solche Volksheimstätten mit einer Grundfläche von 44 qm errichtet.


Auch militärisch tat sich in Buchenbühl etwas:

Westlich der Bahnlinie entstanden Gebäude für ein Luftgau-Nachrichten-Regiment. Der Flughafen Marienberg war ja ab 1933 eingerichtet. Zuerst als Verkehrsflughafen ab 39 als Fliegerhorst


Nach dem Krieg wurden die meisten Gebäude abgerissen. Nur das ehemalige Offizierskasino steht noch und wird heute als Jugendhotel genutzt.

Dort wo sich andere Anlagen des Regiments befanden gibt es heute eine Schule für Forstwirtschaft und auf dem Militärgelände nördlich wurden nach dem Krieg weiter Siedlerhäuser mit Garten errichtet.


Buchenbühl hat sich bis 1945 also weiter vergrößert (gelbe Markierung)



Im Krieg wurde nicht viel zerstört (eher im Loher Moos). Amerikanische Truppen erreichten Nürnberg zuerst in Buchenbühl am 16.April 1945 und marschierte kampflos weiter nach Ziegelstein und Loher Moos.

Buchenbühl - die Anfänge



Der Nürnberger Stadtteil Buchenbühl (eingemeindet 1922) ist eigentlich ein Idyll umgeben von Wald. Leider ist diese Siedlung eingezwängt zwischen Autobahn A3 und dem Flughafen.




Die Anfänge dieser Siedlung sind zur Zeit der Münchner Räterepublik nach dem 1.Weltkrieg zu finden. Mitten im Wald entstanden Buchenbühl und beim Dorf Ziegelstein die Siedlung Loher Moos.


Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsnot, mangelnde Versorgung und unsichere Zukunft waren für einen Großteil der Bevölkerung die Alltagsprobleme.
Schon um 1900 bekam die Forderung nach menschenwürdigem, hygienischen und naturnahen Wohnen für alle Auftrieb durch die Gartenstadt-Bewegung und die überall neu gegründeten Wohnungsbaugenossenschaften.
1919 ergriff nahe Ziegelstein ein Arbeiter- und Soldatenrat die Gelegenheit beim Schopf, eine neue Siedlung aus dem Boden zu stampfen. Zuerst wurde im Wald eine große Fläche gerodet. Der Arbeiter-und Soldatenrat wollte damit die revolutionäre Stimmung unter den zu tausenden entlassenen Rüstungsarbeitern und Soldaten in sinnvolle Aufbauarbeit lenken.
Dass es dafür keine Genehmigung gab und das Gelände eigentlich der Marktgemeinde Heroldsberg gehörte, spielte in der Not keine Rolle. Die Obrigkeit legalisierte den Coup im Nachhinein, gründete im Mai 1919 das Siedlungswerk Nürnberg als Träger der Unternehmung und nutzte die Großbaustelle auch gleich noch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nach zähem Ringen wurde als geeignete Rechtsform die „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ beschlossen, Anteilseigner waren der Staat Bayern, der Bezirk Mittelfranken und die Stadt Nürnberg. Eine privatwirtschaftliche Rechtsform, selbst die einer Genossenschaft, war der Arbeiterschaft „zu kapitalistisch“.
Mit sehr viel Bildmaterial ausgestattet kann man die Bauphase in dem Buch„100 Jahre Siedlungswerk“ verfolgen. Dokumentiert ist auch, dass es in der Nähe ein Sägewerk errichtet wurde (heute Hahnenbalz) und ein Steinbruch vorhanden war.
1922 kam das Gebiet dann offiziell zur Stadt Nürnberg. Es entstand in den 20er Jahren eine Gartenstadt, die der Architekt Jakob Schmeißner nach sozial orientierten Gesichtspunkten plante. Gemeinschaftseinrichtungen(Schule, Gemeinschaftshaus, Einkaufszentrum) und eine Vielzahl von Grünflächen nahmen dafür einen wichtigen Platz ein.



Seit 1908 gab es die Gräfenbergbahn(Nürnberg Nord-Ostbahnhof – Gräfenberg ) Die Siedlung entstand also östlich der Bahnlinie! Von 1926 bis 1983 gab es einen offiziellen Haltepunkt Buchenbühl. Doch schon vorher war die Bahn wichtig für den Bau, z.B. zum Transport der Arbeitskräfte.

Die Ein- und Mehrfamilienhäuser hatten große Grundstücke, wo die Bewohner Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen und Kleintiere halten konnten.

Der Ursprung (weiß markiert)


Und hier ein Luftbild aus dem Jahr 1922


Deutlich ist das gerodete Areal zu erkennen. Die von Jakob Schmeißner entworfenen Doppelhäuser liegen entlang der „Kalchreuther Straße“ (rechts unten nach links oben) sowie den Straßen „Zum Felsenkeller“ (links) und „Zum Froschbrücklein“ (rechts). In der Mitte der zentrale Platz „Zum Paulusstein“ und rechts noch einige Häuser am „Fuchsweg“.

Charakteristisch für Buchenbühl sind die an Doppelhäuser mit ihren mächtigen Giebeln. Die originelle Zusammenfassung zweier Häuser lässt die erdgeschossigen Gebäude größer wirken als sie sind. Die Anklänge an fränkische Bauernhäuser betonen den ländlichen Charakter der Siedlung.





Heute kann man in diesem Kernbereich noch verschiedene Haustypen sehen, die straßenweise nebeneinander gebaut wurden. Die Straßenführung, die Grünflächen zwischen den Häusern und nicht zuletzt die malerische Architektur, die mit verschiedenen Oberflächenformen und -farben spielte und typische Elemente des ländlichen Bauens aufgriff, sorgten für Abwechslung und dörfliches Flair.
Als erstes Gemeinschaftsgebäude entstand im Scheitelpunkt der Siedlung die »Volkshauptschule«. Am 6. Juni 1921 wurde sie feierlich eingeweiht.
Buchenbühl und auch Loher Moos waren damals von den Einwohnern her sozialdemokratisch und kommunistisch geprägt. Die Bewohner stammten mehrheitlich aus dem Arbeitermillieu.