03.02.21

Symposium Urbanum

 Vor 50 Jahren fand in Nürnberg im Zusammenhang mit den Feiern zum 500. Geburtstags von Albrecht Dürer eine Aktion mit dem Titel "Symposium Urbanum " statt. Die Ausstellung der Skulpturen im öffentlichen Raum sorgte für Furore: Die Öffentlichkeit war teilweise empört. Zum Beispiel habe ich die Geschichte des Fingers am Marienberg damals verfolgen können.

 Aufgeblasen zeigte ein riesiger Finger Richtung Flughafen. Assoziationen an einen Penis konnten schnell entstehen. Jedenfalls wurde das bunte Folienwerk zweimal zerstört, wurde abgebaut und durch ein Metallmonstrum von Ringform ersetzt. Das steht heute noch dort.




Auch das folgende (für mich reizvolle) Werk wurde beschädigt und ist heute etwas eingebeult :


Man muss wissen dass das Symposium vorwiegend eine Privatinitiative war, die auf ihre Art in den öffentlichen Raum "eingegriffen" hatte. Hans Friedrich Defet, genannt Hansfried, gründete mit einigen Kunstverbundenen einen Verein, das «Symposium Urbanum». Die Idee: Kunstwerke sollten im öffentlichen Raum geschaffen und an Ort und Stelle ausgestellt werden. «Beiträge der Gegenwartskunst als Stein des Anstoßes» nannte Defet  das damalige Projekt. Mit Hilfe von Sponsoren und Spenden führte der Verein im Dürer-Jahr über 30 internationale Bildhauer in Frankens Metropole zusammen.

Zum 40jährigen gab es eine Broschüre des Nürnberger Bauamts (leider im Internet nicht mehr auffindbar ...)


Auch heute noch können noch vorhandene Objekte und andere Kunst im öffentlichen Raum sehr wohl zu anregenden Diskussionen des Für und Wider führen. Sie steht stets in Verbindung mit der Gestaltung des öffentlichen Raums, welcher in den Städten, Märkten und Dörfern viele Jahrhunderte alt ist. Heute gehört sicher auch Street Art dazu....

In einem Zeitungsartikel zum 40jährigen wird Dieter Hildebrand aus dem Jahr 1972 zitiert: "„Schön, der Verein Symposion Urbanum glaubte nicht an die Feststellung Horst Krügers, dass die Nürnberger Bürger unmusisch bis amusisch seien, sammelte eifrig Geld und bat 32 Künstler aus aller Welt, in die Stadt zu kommen, um ... Moment, das kann ich gar nicht so treffend formulieren, wie es im Programm steht ... mit ihren Werken ,eine lebendige Verbindung zwischen den Umweltanliegen der Stadtbewohner und den Wirkungsmöglichkeiten bewusster, moderner, künstlerischer Gestaltung‘ herzustellen. Viele Bürger schienen diese Art der Gestaltung für einen vorsätzlichen Akt der Umweltverschmutzung zu halten. Sie heulten förmlich auf. Ich zitiere einen der größten Heuler: ‚Rohre aus Stahl stecken wie Pfähle im Fleisch des historischen Stadtkörpers.‘ – Auaa!“


Auch der damalige Oberkonservator des Germanischen Museums Wulf Schadendorf (ehemaliger Nachbar in der Moltkestr) wird zitiert: „Wahrscheinlich zehn bis zwölf Werke werden in 20 Jahren Zeichen des Dürerjahres sein, die unsere Kinder kennen." Schadendorf meinte damals, dass sich nur ungefähr bei einem Drittel der Beiträge zum „Symposion Urbanum“ überzeitliche Qualität erweisen würde.

Damit dürfte er richtig gelegen haben. Manche Steinarbeit (die Granitblöcke von Arthur Trantenroth), manche Metallarbeit (Barna von Sartorys Röhrenplastik) entsprach einem sehr erratischen und sehr industrieverliebten Zeitgeschmack. Einige Werke standen tatsächlich einfach so rum, öffneten sich nicht in die Stadtlandschaft, akzentuierten sie nicht, irritierten mehr, als dass sie Denkanstöße gaben. Andere aber haben ihren haptischen (Karl Prantls Schwarzer Stein am Hauptmarkt),formalen (Raffael Benazzis Holzfigur im Schmuckhof) oder spielerischen (Hein Sinkens Windspiel am Wöhrder See) Reiz auch nach 40 Jahren bewahrt.




Gerade das letzte Beispiel mit dem spielerischen Effekt (Es steht noch - funktionierend) erinnert mich an meine Studentenzeit: Damals war ich als studentisches Beiratsmitglied in der Findungskommission der neu erbauten PH zum Thema "Kunst am Bau". Angesichts der finanziellen Notlage der Künstler in den 1920er Jahren beschließt der Staat mit dem Kunst am Bau - Programm die bildenden Künstler zu unterstützen. Die Förderung sieht vor in Deutschland beim Bau oder der Sanierung staatlicher Bauten einen bestimmten Anteil – meist zwischen 1 und 4 % der Baukosten – für Kunst am Bau aufzuwenden. 
Mit Pressearbeit unterstützt forderten wir damals dazu auf im künstlerischen Wettbewerb Vorschläge von Werken einzubringen, die nicht nur so dastehen, sondern aktionistisch mit spielerischen Elementen ausgestattet sind. Es gab dann auch zwei Entwürfe, die sich in der Realisierung leider nicht durchsetzen konnten. Das realisierte Werk gibt es noch: Kann wenigstens als Liege- und Pausenfläche funktionieren ...


Eine sehr schöne Sache, die aber nicht beim Symposium entstand, gab es vor Jahren auf dem sehr öden Richard-Wagner-Platz. Eine kinetische Plastik, die sich sachte im Wind bewegte. Ähnlich wie diese:


Verschwunden ! Werde mal recherchieren wo das verblieben ist....

19.01.21

Ludwig Feuerbach

 Bei einem Corona-Spaziergang von der Sternwarte Nürnberg auf den Rechenberg kam ich auf dem "Philosophenweg" mal wieder an diesem wuchtigen Steinmal vorbei:


Es ist ein Kenotaph (Scheingrab) zu Ehren des Philosophen Ludwig Feuerbach. (Dieses Denkmal wurde gleich nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten auf Beschluss des Stadtrats vom 12.7.1933 entfernt und erst 1955 wieder aufgestellt. Auch diese Wiedererrichtung blieb in der damaligen Adenauerschen Restaurationszeit nicht ohne Widerspruch. Hier ein Bericht im Sonntagsblitz)

Wer war nun dieser Ludwig Feuerbach? Ein Nürnberger Verein kümmert sich intensiv um das Andenken und aktuelle Bezüge ....
Feuerbach gilt als  bedeutender deutscher Philosoph,  dessen Religions- und Idealismuskritik bedeutenden Einfluss auf die Bewegung des Vormärz und der Revolution 1848 hatte. In seinem Denken wurde er stark von Georg Wilhelm Friedrich Hegel beeinflusst,  später wurde er zu einem entschiedenen Kritiker desselben.

Geboren in Landshut begann er 1823 in Heidelberg mit dem Studium der Theologie, das er jedoch bald abgebrochen hat. Die Argumentation der Theologen erschien ihm bereits damals zu widersprüchlich. Danach absolvierte er ein zweijähriges Philosophiestudium in Berlin – hauptsächlich bei seinem Mentor Hegel – und danach Botanik, Anatomie und Physiologie in Erlangen. 1828 promovierte er mit der Arbeit „Über die eine, universelle und unendliche Vernunft“ und wurde Privatdozent.

In dieser Zeit entstand seine satirische Schrift „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“, die sofort konfisziert wurde. Diesen Angriff auf die Kirche bezahlte Ludwig Feuerbach mit dem Ende seiner akademischen Laufbahn.

Er  heiratet 1837 und lebt auf Schloss Bruckberg bei Ansbach. 1841 erscheint sein Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“. Mit diesem Werk profiliert er sich als Religionskritiker. Das Werk, ursprünglich nur für einen kleinen Leserkreis gedacht, verbreitet sich schnell und macht den Philosophen in Deutschland sehr bekannt. Doch Feuerbach spürte bald den wachsenden Druck der kirchlicher Kräfte. In dem Vorwort zur zweiten Auflage schreibt er u.a.: „Ich habe es mit dieser Schrift mit Gott und der Welt verdorben. Ich habe die „ruchlose Frechheit“ gehabt schon in dem Vorwort auszusprechen, dass auch das Christentum seine klassischen Zeiten gehabt habe und nur das Wahre, das Große, das Klassische würdig sei gedacht zu werden. Das Unwahre, Kleine, Unklassische aber vor das Forum der Satire oder Komik gehöre.“

Feuerbachs Religionskritik wurde von den revolutionären Bewegungen der damaligen Zeit begeistert, aber auch kritisch aufgenommen. Karl Marx las „Das Wesen des Christentums“ und sah darin Ansätze seiner eigenen Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen. Allerdings kritisierte er, dass Feuerbach zu sehr das einzelne Individuum und zu wenig die Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner Gedanken stellte. 

Sein Wohnsitz war nach der Heirat also erst Bruckberg ( nach Großhabersdorf Richtung Ansbach)
Die Familie seiner Frau besaß dort im Schloss eine Porzellanfabrik, die aber nicht so gut lief. Er hatte den Vorteil des kostenfreien Wohnens und der Ruhe ...

In einem Brief von 1851 äußert sich Feuerbach über Bruckberg so:

"Bruckberg ist ein kleines, in einem anmutigen, aber beschränkten, von Wäldern und Äckern umgrenzten Wiesental gelegenes Dörfchen, das aber den großen Vorteil hat, daß hier kein Pfarrer und keine Kirche ist. Die hiesige Kirche oder das Kirchlein hat zu Ende des vorigen Jahrhunderts der Blitz vernichtet. Das Gebäude, worin ich lebe und schaffe, ist ehemaliges markgräfliches Jagdschloß, seit Ende des vorigen Jahrhunderts und noch jetzt eine Porzellanfabrik, deren Besitzer drei noch lebende Schwestern sind, von denen eine meine Frau, deren oberster Lenker und Leiter mein Schwager ist. Die Fabrik ist leider höchst ungünstig gelegen und schwer belastet, ihr Betrieb höchst kostspielig, ihr Ertrag äußerst geringfügig, .... - sehr prekär. Den fast einzigen Vorteil, den ich von ihr habe, ist Holz und freie, weil eigene Wohnung. Diese schöne und geräumige, zum Studieren und Denken trefflich geeignete Wohnung ist es auch, die mich hauptsächlich an Bruckberg fesselt."

Über diese Zeit hat der Verein eine schöne Seite gestaltet. 

Nun weiß man, dass Feuerbach sich der Aufforderung des jüngeren Marx entzog, politisch tätig zu werden. Engels wird Feuerbach in den späten achtziger Jahren besonders dafür rügen und nennt ihn einen Provinzler, der sich, als es darauf angekommen sei, aufs Land zurückgezogen habe, statt politisch aktiv zu werden. Aber dies ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist, dass Feuerbach, der seit dem Erscheinen seiner Schrift: „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“ im Jahr 1830 mit einem indirekten Berufsverbot behaftet war, im Revolutionsjahr 1848 die Hoffnung auf eine Professur längst aufgegeben hatte und zurückgezogen mit seiner Familie im Bruckberger Schloß, dem Familiensitz seiner Frau Berta Löw, die Existenz eines Privatgelehrten führte. Man lebte von einer bescheidenen Pension und von den Erträgen der schwiegerelterlichen Porzellanmanufaktur, bis diese bankrott ging. 

Im Bruckberger Schloss scheint mehrere Jahre ein so reges Gehen und Kommen von Freunden, Gesinnungsgenossen und Bewunderern geherrscht zu haben, dass es die Aufmerksamkeit der Behörden erregte. Bruckberg sei, so heißt es in einem Polizeibericht, ein „fataler Herd der Demokratie und Irreligiosität“, und man vermute, dass dort „politische Verbrecher Aufnahme und Verbergung finden“. Im Ort wurde eigens eine Gendarmeriestation eingerichtet, um die Bewohner der Porzellanfabrik besser überwachen zu können.  Mehr als Landpartien in Orte der näheren Umgebung konnte man freilich der munteren Gesellschaft im Schloss nicht nachweisen.

Nach der Pleite der Fabrik 1859 mussten sie ausziehen. Feuerbach und seine Frau verloren nicht nur alle investierten Ersparnisse, sondern auch Wohnrecht und Naturaliennutzung. Nach mühsamer Suche fand sich ein als Sommerwohnsitz konzipiertes Haus im kleinen Ort Rechenberg damals noch vor den Toren Nürnbergs gelegen. Freunde aus der 1848-er Revolutionszeit bezahlten den Umzug und sammelten Spenden, die so reichlich flossen, dass Feuerbach nach einiger Zeit selbst um Einstellung der Sammlung bat. Von 1862 an erhielt er eine regelmäßig erneuerte Ehrengabe der eben geschaffenen Schillerstiftung, außerdem zwei Leibrenten: die eine von Ludwig Bamberger, der im französischen Exil zum einflussreichen Bankier aufgestiegen war, die andere vom Nürnberger Industriemagnaten Theodor von Cramer-Klett. 

Die neue Unterkunft fand er am Fuß des Rechenbergs in diesem Gebäude:


Damals gehörte die Gegend noch nicht zu Nürnberg und war bei weitem nicht so besiedelt wie heute:

 Das Haus bot freilich längst nicht die Ruhe und Idylle von Bruckberg, Feuerbach litt schwer unter dem Verlust seines „Musensitzes“ und fand auch nicht zur früheren Arbeitsfähigkeit zurück. Er rang sich dennoch eine Reihe kürzerer Texte ab, darunter die bedeutende Abhandlung Über Spiritualismus und Materialismus, besonders in Beziehung auf die Willensfreiheit.

1867 erlitt er einen leichten Schlaganfall, von dem er sich, vom freigeistigen Bergbauern Konrad Deubler eingeladen, im österreichischen Salzkammergut erholte. Im Frühjahr und Frühsommer 1868 begann er ein neues Buch über Moral und Willensfreiheit, doch im Sommer brach er die Arbeit daran ab. Am 20. Juli 1870 – am Vortag war der Deutsch-Französische Krieg erklärt worden – traf ihn ein zweiter, schwerer Schlaganfall, der sein geistiges Vermögen völlig zerstörte. Nur sehr beschränkt kontaktfähig, lebte Feuerbach noch etwas mehr als zwei Jahre. Am 13. September 1872 erlag er einer Lungenentzündung.

1869 war Feuerbach in die kurz zuvor von Wilhelm Liebknecht und August Bebel gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) eingetreten. Um den Jahreswechsel 1871/72 rief eine der Partei nahestehende Zeitung dazu auf, für den angeblich verarmten Philosophen Geld zu sammeln. Zahlreiche andere Zeitungen übernahmen den Aufruf. Wenige Wochen später rief auch die auflagenstarke Familienzeitschrift Die Gartenlaube am Ende eines doppelseitigen Artikels über Feuerbach zu einem „Nationaldank“ auf. Die Spenden flossen so reichlich, dass für Frau und Tochter, um deren Zukunft Feuerbach gebangt hatte, ein bescheidenes, aber lebenslanges Auskommen gesichert war. Am Begräbnis auf dem Nürnberger Johannisfriedhof nahm eine, wie es in Zeitungsberichten hieß, „unübersehbare“ Menschenmenge teil: Neben zahlreichen bürgerlichen Vereinigungen hatte auch die mitgliederstarke Nürnberger Sektion der SDAP zur Massenkundgebung aufgerufen. Theodor von Cramer-Klett stiftete das Grabmal.


Dort oben am Rechenberg gibt es in der Nähe des Steinklotzes noch einen Gedenkstein:


Die Tafel befand sich ursprünglich am 1916 abgerissenen Wohnhaus ...

Seine Gedanken zu Geist und Natur

Ein Hauptmotiv zieht sich vor allem durch die philosophiegeschichtlichen Arbeiten sehr deutlich , nämlich die zwiespältige Stellung der Natur in der abendländischen Philosophie seit Descartes. Die Art und Weise, wie die Philosophen der Neuzeit der Natur begegneten und sie in ihre Denksysteme einordneten, empfand er als dualistisch, als gewaltsamen Bruch: Weil bei ihnen immer der Geist das eigentliche Sein, also das Primäre ist, die Materie hingegen bloß sekundäres, uneigentliches Sein, wird die Natur abgewertet. Dieser Dualismus beginnt mit Descartes, für den die Materie lediglich das „Ausgedehnte“ war, und zieht sich – wenngleich in subtilerer Form – bis hin zu Hegel. Dieser Geringschätzung der Natur steht Feuerbachs persönliches und ästhetisches Erleben entgegen: Er erfährt sie als überwältigende „Herrlichkeit“; sie hat eigene „Qualität“, ja Autorität, auf die das Denken zu antworten hat. Dieses Hauptmotiv tritt bereits in der Geschichte der neuern Philosophie in vielfältiger Weise hervor: Anders als in der Hegelschule üblich, ließ Feuerbach die Philosophie der Neuzeit nicht mit Descartes, sondern mit Francis Bacon beginnen; er begründete dies damit, dass Bacon das systematisch gesammelte Erfahrungswissen, also die Naturwissenschaften, zur „Grundlage alles Wissens“ erhoben habe.

Das Stückchen Grün dort oben am Rechenberg passt dazu. Noch schöner ist es am Platnersberg. Doch davon ein andermal .....

Der Vorstadtverein Jobst hat am Philosophenweg noch diese Tafel angebracht:



Namensvetter von Ludwig Feuerbach ist Anselm Feuerbach, ein Maler ....

30.12.20

Richter, Beuys, Ücker und Polke

 Im Film „Werk ohne Autor“ tauchen im letzten Drittel vier Künstler auf, die sich in den 60-er Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf begegneten. 

In jenen Jahren besuchte ich in der Galerie Defet mit meinem Freund Ede Wolf das erste Mal Kunstaustellungen, machte einen Kunstkurs im Jugendzentrum bei Bodo Boden mit, verdiente mir bei der Nürnberger  Biennale 69 Geld als Aufsicht und hatte Anfang der 70er  Kontakt zu den damaligen Kunsterziehern  Michael Popp und Wolfgang Zacharias (beide schon verstorben). Von Beuys und Ücker hatte ich Ahnung - von Richter und Polke wusste ich nichts.

Der Film zeigt recht gut, wie damals der Kunstbetrieb im Umbruch war. Malerei, Zeichnung und Druck waren in der Moderne aus. Aktion, Happening, Objektkunst waren in. Im Film erscheint als Randfigur in der Akademie HA Schult, der damals z.B. mit einer Ente ein paar Mal zwischen München und Hamburg hin und herfuhr. Die Windschutzscheiben mit den toten Insekten drauf wurden dann als Kunstobjekt verkauft ...

Beuys war damals bekannt als Margarine und Filzkünstler. Mit Hut und Anglerweste gerierte er sich oft als Kunstschamane und orientierte sich an der Anthroposophie Steiners. Fälschlicherweise oft Joseph Beuys zugeschrieben wird die deutsche Übersetzung eines Gedichts mit dem Titel „Jeder Mensch ist ein Künstler“ (Alternativtitel auch „Anleitung zum guten Leben“, „Lebe!“ oder benannt nach der ersten Zeile „Lass dich fallen“), das seit Jahren im Internet kursiert. Das englischsprachige Original („How to be an artist“) ist von der amerikanischen Künstlerin Sark. 

Im Film wird in einer eindrucksvollen Szene seine Geschichte von der wundersamen Rettung nach einem Flugzeugabsturz im Krieg wiedergegeben. Der Absturz mit seiner Nachgeschichte diente Beuys als Stoff einer Legende, der zufolge nomadisierende Krimtataren ihn „acht Tage lang aufopfernd mit ihren Hausmitteln“ (Salbung der Wunden mit tierischem Fett und Warmhalten in Filz) gepflegt hätten. Diese Legende, die Beuys’ Vorliebe für die Materialien Fett und Filz erklären sollte und die Beuys in einem BBC-Interview ebenso beschrieb, hat auch sein Biograph Heiner Stachelhaus bis zuletzt vertreten. Einer Recherche des Künstlers Jörg Herold zufolge wurde Beuys schon bald nach dem Absturz von einem Suchkommando gefunden, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Herolds Spurensuche auf der Krim in einem Bericht vom 7. August 2000 meldete. Der acht- bis zwölftägige Aufenthalt bei den Tataren, wie ihn Stachelhaus und andere überliefern, wurde schon 1996 von Beuys’ eigener Ehefrau Eva in Zweifel gezogen. Die Witwe stufte die von ihrem Ehemann immer wieder erzählte Geschichte als „Fieberträume in langer Bewußtlosigkeit“ ein.

Seine Eskapaden als Rektor der Akademie sollten politisch sein, hatten aber kaum Auswirkungen auf den späteren Lehrbetrieb.



Ücker war damals schon als der Nagelkünstler bekannt. Im Film wird recht gut gezeigt, wie souverän er mit dem Kunstmarkt und den neuen Richtungen umgeht. Seine Verbindung zu Richter war eng, da er auch mit dem realistischen Sozialismus der DDR aufgewachsen ist.


Ueckers Hauptwerke, wie seine genagelten Reliefs, werden am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert, so z. B. „Spirale I“, 1968, bei Sotheby’s (New York) $ 600.000,- bis $ 800.000,- oder „Feld/Field“, 2012–13, bei Dorotheum (Wien) auf € 400.000,- bis € 600.000,-. Anfang der 1970er Jahre wurden solche Bilder noch mit umgerechnet etwa € 10.000,- gehandelt. Die städtische Kunstsammlung Bonn konnte ein solches Nagelbild sogar noch zum Freundschaftspreis von DM 4.000,- erwerben.

Auch Polke stammt aus der DDR. Seine Malerei ist dem postmodernen Realismus zuzuordnen (Kapitalistischer Realismus) und zitiert Ausdrucksweisen der Pop Art, ohne dass er dieser Stilrichtung zuzurechnen ist. Seine Haltung zur Malerei enthält stark ironische Elemente. 

Der Begriff Kapitalistischer Realismus wurde zwischen 1963 und 1966 von den Malern Gerhard Richter, Konrad Lueg, Sigmar Polke und Manfred Kuttner eingeführt, um unter diesem Titel Selbsthilfeausstellungen und Performances zu veranstalten.



Der erfolgreichste von ihnen und der mit hoher Anerkennung schließlich ist Gerhard Richter. Ich beschäftigte mich mit ihm erst 2015 näher als im Neuen Museum Nürnberg eine Sonderausstellung gezeigt wurde.


Im Film wird gut gezeigt der Übergang von seinen Experimenten in Düsseldorf, die ihn nicht befriedigen konnten, zu seiner Passion des Verfremdens von realistischen Motiven. Er legte Fotos unter ein Episkop und projizierte die nun stark vergrößerten Bilder auf eine leere Leinwand. Auf ihr zog er mit Kohle nach und pinselte Menschen wie Räume mit schwarzer, grauer und weißer Farbe aus.  Die noch nassen Farben übermalte er mit einem breiten Pinsel, zog die Konturen ineinander, egalisierte die Kontrastunterschiede.“


In der Ausstellung wurden Bilder aus verschiedenen Epochen gezeigt. Auch der Übergang zur farbigen Gestaltung mit neueren Werken. Bei manchen Bildern, die bestimmt ihren Preis hatten, kam mir aber der Gedanke, dass es sich um verunglückte Werke also Ausschuss handeln könnte. Wenn man mal einen Namen hat, kann man ja alles verkaufen. Mir hatten damals besonders gefallen:




Sehenswert ist eine Dokumentation über ihn (auf DVD erhältlich) in der seine Arbeitsweise in den letzten Jahren gezeigt wird: Mit riesigem Atelier, Assistenten, Planung von Ausstellungen und seiner aktuelleren Maltechnik.

Die Geschichte des Films "Werk ohne Autor" hat durchaus realistischen Hintergrund: Der Vater von seiner ersten Ehefrau Ema war Heinrich Eufinger, der im Zweiten Weltkrieg als SS-Obersturmbandführer die Dresdner Frauenklinik leitete und dort Zwangssterilisationen vornahm.  Eufinger wurde nach Ende des Krieges in einem sowjetischen Lager interniert, und rettete dort der Frau des sowjetischen Lagerkommandanten das Leben. So arbeitete er später in der DDR wieder als Chefarzt in gynäkologischen Abteilungen, ehe er in den Westen umsiedelte. 

In der Öffentlichkeit erfuhr der Name Eufinger erst durch die Werke des Malers Gerhard Richter postume Bekanntheit. Da Gerhard Richter in den Jahren 1957 bis 1982 mit Eufingers Tochter Ema verheiratet war, hat er auch seinen Schwiegervater Eufinger in den fünfziger und sechziger Jahren mehrfach porträtiert. 2004 wurde durch einen Zeitungsartikel im Tagesspiegel ein tragischer Aspekt in Gerhard Richters Familie bekannt. Seine Tante Marianne Schönfelder war im Februar 1945 in der zweiten Phase des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms, der Aktion Brandt, nach ihrer Zwangssterilisierung durch systematische Unterernährung ermordet worden. Sein späterer Schwiegervater Heinrich Eufinger gehörte als SS-Obersturmbannführer und Verantwortlicher für die Zwangssterilisierungen in Dresden zu den Tätern. Gerhard Richter wusste bei seiner Heirat mit Ema Eufinger von diesen Zusammenhängen nichts. Er hat aber im Jahr 1965 mit dem Gemälde Herr Heyde, das die Verhaftung des hauptverantwortlichen SS-Arztes für die Massenmorde an körperlich und geistig behinderten Menschen zum Thema hat, die Euthanasie als einer der ersten bildenden Künstler in der Nachkriegszeit behandelt, und mit dem Gemälde Tante Marianne den Opfern der Euthanasie ein Gesicht gegeben. 

16.12.20

Brothers In Arms

 Da wegen verschiedener Einschränkungen längere Ausflüge in die Umgebung mit Besuch einer Gaststätte nicht möglich sind, lese ich viel und höre Musik ..

Seit Jahren ist mir da ein treuer Ohrwurm MARK KNOPFLER. Schon zu Zeiten der DIRE STRAITS gefiel mir dieses Gitarrenspiel und auch einige Texte.

hei_marie_d (e-mail code) hat eine umfassende Fan-Seite erstellt. Recht umfangreich und interessant. Scheint eine Frau zu sein (Heidi ?) ...

Hier hab ich mich schon mal mit seinem Song "Sailing to Philadelphia" beschäftigt. Heute möchte ich seinen Song "Brothers in Arms" vorstellen. 1996  spielte er diesen Song aus seinem ersten Soloalbum in London (also mit 47 Jahren)


Auf seiner Abschiedstour 2019 spielte er mit 70 diesen Song in der Royal Albert Hall.


Immer noch beeindruckend. 

Brothers in Arms Songtext

These mist covered mountains
Are a home now for me
But my home is the lowlands
And always will be

Some day you'll return to
Your valleys and your farms
And you'll no longer burn
To be brothers in arms

Through these fields of destruction
Baptisms of fire
I've witnessed your suffering
As the battles raged higher


And though we were hurt so bad
In the fear and alarm
You did not desert me
My brothers in arms

There's so many different worlds
So many different suns
And we have just one world
But we live in different ones

Now the sun's gone to hell
And the moon's riding high
Let me bid you farewell
Every man has to die

But it's written in the starlight
And every line in your palm
We're fools to make war
On our brothers in arms

Jeder Mann muss sterben
Doch es steht in den Sternen
Und in jeder Linie deiner Hand
Wir sind Narren Krieg zu führen
Gegen unsere Brüder in Waffen. 

In Wikipedia heißt es:

Das melancholische Lied wurde während des Falklandkrieges geschrieben und kann als Antikriegslied[3] bezeichnet werden. Zwar ist das Thema Krieg in dem Song zu Beginn nicht offensichtlich, da zunächst eine Naturkulisse besungen wird ("these mist covered mountains"), die immer stärker von Zerstörung ("these fields of destruction - Baptisms of fire") und Tod ("Now the sun's gone to hell - And the moon's riding high - Let me bid you farewell - Every man has to die") gezeichnet ist, doch die letzte Strophe drückt die Botschaft des Songs, den Irrsinn des Kriegs[4], explizit aus: "We're fools to make war - On our brothers in arms." Mark Knopfler erklärt, das Lied werde von einem auf dem Schlachtfeld sterbenden Soldaten gesungen, er als realer Sänger müsse sozusagen in dessen Sicht und Empfindungen eintauchen.[5] Sprachlich ist auch zu beachten, dass der Songtitel einen zunächst versteckten Doppelsinn enthält, den man im Deutschen mit "Waffenbrüder" und "Brüder in Waffen" ausdrücken kann: In den ersten beiden Strophen sind es die eigenen Kameraden, an die sich der Sprechende wendet, also die "Waffenbrüder". Erst in der Schlusszeile wird deutlich, dass auch alle gegnerischen Soldaten mit den "brothers in arms" gemeint sind.

2007 wurde eine Neuaufnahme des Liedes mit dem Sänger Mark Knopfler von der BBC aufgenommen. Sie wurde am 29. Mai 2007 als Downloadversion für das Vereinigte Königreich und Irland veröffentlicht. Ein Teil der Einnahmen diente der South Atlantic Medal Association, einer Organisation zur Unterstützung von Veteranen des Falklandkrieges, die teilweise auch Jahrzehnte nach dem Krieg unter körperlichen wie psychischen Folgen, z. B. posttraumatischen Belastungen, leiden. Der Frontmann der Dire Straits, Mark Knopfler, äußerte sich dazu 2007 folgendermaßen: „Ich fühle mich bewegt, dass das Lied Brothers in Arms, das ich während des Falklandkrieges geschrieben habe, dafür ausgewählt worden ist, viele Veteranen, die immer noch an den Folgen dieses Konflikts leiden, zu unterstützen.“ ("I’m touched that my song ‘Brothers in Arms’, which I wrote at the time of the Falklands war, has been chosen to support the many veterans who are still suffering from the effects of that conflict.") 



16.07.20

Am Wöhrder See

Kindheitserinnerungen:
Mein Schwimmbad war der Pulversee. Ein etwas trüber Weiher, der eine unterirdische Verbindung zur Pegnitz hatte. Sogar ein mit durch schwimmende Balken abgetrenntem Nichtschwimmerbecken ! Großzügige Liegewiesen und riesige Bäume. Zum Westen hin gab es noch Bauernwiesen und weidende Pferde. Die Pegnitz mäandernde durch das Tal und schoß bei der Feuerwehr und im zerbombten Wöhrd durch Wehre.
1967 und 1968 wurde der See langsam zugeschüttet und es entstanden die modernen Sportanlagen von Bayer 07 .
Wir von der Ostendstraße sind dann entweder ins Stadionbad oder ins Naturgarten ...

Auf diesem Photo kann man noch den Badesteg erkennen und die betonierte Plattform beim Einstieg in den See - beliebter Anlauf für die Arschbomben ...


Dieser Rest ist dann auch noch verschwunden:


Auf einer historischen Karte kann man ganz gut den Verlauf der Pegnitz mit ihren Nebenarmen, den See und das alte Pulvermagazin sehen.


Auf den Grundmauern des Magazins wurde nach dem Krieg das Loni-Übler-Heim gebaut. Ein Lehrlingswohnheim und auch mein Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt.


Heute ist dort ein Kulturladen ...

Von 1968 bis 1972 wurde auch das Norikus gebaut. Ich kann mich noch gut an die zerbombte Zeltnerbrauerei erinnern, die vorher dort stand. Hier noch intakt:


Auf dem Schlot, der 69 gesprengt wurde, nisteten Störche...


Von der Eisenbahnbrücke beim Pulversee verlief damals bis Mögeldorf  der Johann-Sörgel-Weg durch die Wiesen. Verstreut gab es immer wieder mit Regenwasser gefüllte und mit Weidenbüschen umstandene Bombentrichter. Ideal zum "Lagerle"-Bauen. Mindestens einmal im Jahr war alles überschwemmt.
Am Fuß des Mögeldorfer Kirchbergs war damals noch die Satzinger Mühle in Betrieb.


Auch aus Gründen des Hochwasserschutzes wurde langsam der heutige Wöhrder See aufgestaut.
Hier ein kurzer Bericht.
Den heutigen Zustand des Stausees mit viel Grün an den Ufern kann man von Mögeldorf bis Wöhrd in einem durch Fotos unterstützten "Spaziergang" verfolgen.
Über die Entstehung des Sees gibt es hier eine Bildstrecke.

Ich war erst vor kurzem an der Badebucht und dem neuen Spielplatz unterhalb des Norikus an der Wasserwelt. Unter der Woche geht es ruhig zu und ist zum Ausspannen zu empfehlen ...




Ergänzung: Leider gibt es speziell in der Nacht Belästigungen, die mit hohem Aufwand eingegrenzt werden müssen ....

23.06.20

Schleuse 64

Das nette Schleusenhäuschen mit Garten und großer Wiese kenn ich schon länger. Es fiel mir auf, weil das Gedicht Desiderata in Ton geritzt  am Gartenzaun hing, daneben ein bunter Briefkasten und die Mitteilung, dass man dort für die Mieterin (?) gern eine schriftliche Mitteilung hinterlassen kann. Antwort wird garantiert.


Ich hab etwas eingeworfen, aber nie eine Antwort bekommen ....
Im März 2017 war ich wieder dort und hab über den Gartenzaun geschaut. Da hat sich etwas verändert:


Und als ich jetzt (Juni 20) wieder vorbei radelte, sah alles recht lebendig und interessant aus.





Die Mieterin (?) heißt Birgit Hoffman und hat leider nur eine facebook-Seite. Vielleicht treff ich die Künstlerin mal und kann mich mit ihr unterhalten ....



Über die Schleuse 64 und den alten Ludwigskanal hat  übrigens ein Hans Grüner gut recherchierte Beiträge mit vielen Fotos auf seiner Website erstellt. Chapeau !

Ein anderes "Kanalereignis" ist hier zu sehen .

22.05.20

Valznerweiher


Den Valznerweiher kenne ich schon aus meiner Jugendzeit. Zabo und das alte Clubgelände an der Siedlerstr. waren oft besuchte Orte.

Der Zu- und Abfluss des Gewässers, also Fisch- und Goldbach, waren einst wichtige Lebensadern der Stadt Nürnberg. Ihr mitgeführtes Wasser trieb Mühlen und Hammerwerke an.

Der Weiher selbst und seine Zu- und Abläufe sind saniert worden.
Zulauf des Fischbachs:

Auf dem jetzigen Gelände des 1.FCN (gegenüber des Valznerweihers) war während der
Reichparteitage die KDF-Stadt aufgebaut. Eine Tafel am Weiher informiert darüber.

Auch die Gaststätte auf der Insel des großen Valznerweihers zeigt sich erneuert.


Die Insel hat eine lange Tradition als Ausflugsmöglichkeit für die Nürnberger. Bereits Mitte des 19.Jahrhunderts hat hier ein Fabrikant Weber eine Wirtschaft betrieben. Man konnte damals dort eine Kahnpartie machen . Später mussten sich die Wirte noch mehr an Unterhaltung einfallen lassen. 1902 hat man als besondere Attraktion eine Wasserrutschbahn aufgebaut. Von einem kleinen Turm konnte man mit einem Kahn in den Weiher hinunter rutschen.


Der Valznerweiher war bis zum Ausbruch des 2.Weltkriegs bewirtschaftet. Nach dem Krieg nutzten die Amerikaner das Restaurant als Club bis es Anfang der 50er Jahre zurück an die Stadt ging. Es wurde von verschiedenen Pächtern betrieben. Im Jahr 2000 verkaufte die Stadt das Anwesen.

Gleich nebenan gibt es noch den kleinen Valznerweiher. Für mich berühmt berüchtigt, da ich dort beim Versuch des Schlittschuhlaufens meine einzigen Winterstiefel ruiniert habe …



Das Waldgebiet in der Umgebung ist ideal zum Spazierengehen und Radeln. Richtung Fischbach kann man an der Russenwiese vorbeikommen.




Der Name „Russenwiese“ bürgerte sich nach dem 1.Weltkrieg ein, nachdem dort während des Krieges ein Lager für russische Kriegsgefangene errichtet worden war.
Etwa zwanzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden zur Zeit der Reichsparteitage große Zeltlager für die Teilnehmer der Werkschar eingerichtet.
Ein Bericht der Feuerschutzpolizei von 1939 nennt für das Lager Russenwiese in der Zeit vom 5. bis 12. September 1938 24.000 Mann Belegung.
Im Zweiten Weltkrieg waren dort bis zu 2.000 Zwangsarbeiter, vorwiegend aus Osteuropa, in einem provisorischen Zeltlager untergebracht. Die Häftlinge lebten dort unter Bedingungen, die denen in den Konzentrationslagern vergleichbar waren. Auch das Nürnberger "Arbeitserziehungslager" befand sich vom Oktober 1942 bis zu seiner Zerstörung bei einem Luftangriff im August 1943 auf dieser Wiese.
1943 infizierten sich 200 Gefangene mit der Hahnenfußpflanze, in der Hoffnung, als Kranke in die Heimat zurückgeschickt zu werden. Diese Sabotageaktion wurde jedoch verraten und alle Infizierten in Konzentrationslager eingeliefert. Fünf "Rädelsführer" wurden inmitten des Lagers öffentlich erhängt. Deswegen wurde u.a.Paul Ohler nach dem Krieg vor dem OLG Nürnberg zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach der Bombardierung 1943 wurde das "Arbeitserziehungslager" nach Langenzenn ausgelagert.

Noch eine Sache fand ich interessant. Erst letzthin entdeckte ich im Wald Richtung Fischbach einige parallel verlaufende Hügelketten. Recherche ergab, dass das Reste von Trümmerschutt sind. Jetzt ist das Ganze natürlich von Vegetation bedeckt …


In der unmittelbaren Nachkriegszeit gab es die Trümmerbahn in Nürnberg
Aus einer anderen Quelle:
Vom Herzen der zerbombten Altstadt, dem Hauptmarkt, führte eine eingleisige Hauptstrecke bis hinaus bis in den Vorort Fischbach. Dort hatte man ein Waldstück als Schuttabladeplatz ausgewiesen. Der Schienenstrang verließ die Stadtmauern am Kasemattentor, führte am Prinzregentenufer entlang, um am Wöhrder Talübergang die Pegnitz, auf einer eigens errichteten Eisenträgerbrücke, zu überqueren. Nach dem Dürrenhoftunnel bog die Linie links in die Regensburger Straße ein, wo sie wenig später die Zufahrtsgleise zum Straßenbahndepot St. Peter kreuzte. In Höhe der Breslauer Straße bog die Strecke Richtung Fischbach ab. Es gab an verschiedenen Stellen auch Ausweichgleise um Gegenzüge passieren zu lassen. Bei Steigungen, wie etwa am bereits erwähnten Tunnel, mussten manchmal zusätzliche Schiebeloks nachhelfen.
Der Trümmerschutt wurde am Abladeplatz gleichmäßig verteilt. Um dies zu gewährleisten änderte sich der Gleisplan häufig – durch das bereits angelieferte Material entstanden "Entladerampen. Die Schuttbahn verfügte auch über ein eigenes Bahnbetriebswerk auf dem heutigen FCN-Gelände. Etwa 18 Loks sollen es gewesen sein die dort gewartet und mit Wasser und Kohle versorgt wurden. 

Eine Sache gibt es auch noch: DasGelände der ehemaligen Strafanstalt am Holzweiher. Abgezäunt und zugewachsen …

Von dort Richtung Valznerweiher wird das Gelände immer sumpfiger, aber interessant:



Gehen wir aber nochmals in die Vergangenheit des Valznerweihers zurück. Bis anfangs des 19. Jh. warteten auf die Nürnberger hier besondere kulinarische Genüsse. Wenn man jetzt an Karpfen denken, dann liegt man falsch. Hier wurden Vögel aufgetischt! Auf der Insel des Valznerweihers standen nämlich Vogelherde, von denen es hier im Osten rund um den Schmausenbuck eine große Anzahl gab. Es waren eben nicht nur die Italiener auf der Jagd nach Singvögeln, sondern auch für die Nürnberger war der Vogelfang ein Freizeitvergnügen und eine Erwerbsquelle.
Vorzugsweise stellte man den wohlschmeckenden Krammetsvögeln (Wacholderdrosseln) nach. Eine Besonderheit für die Nürnberger war der Fang der Heidelerchen. Die Vogelherde rund um den Schmausenbuck hatten einen großen Zulauf von Nürnberger Bürgern, die sich hier die gebratenen Vögel aus erster Hand kauften und dazu einen guten Trunk kredenzt bekamen.  
(Quelle)